Rechenschaft: Schoeps' Autobiografie

- "Dafür, dass ich mich für ein Leben in Deutschland entschieden habe, gab und gibt es gute Gründe", schreibt der Historiker und Direktor des Moses-Mendelssohn-Zentrums für europäisch-jüdische Studien in Potsdam, Julius H. Schoeps. Private und objektive. "Will man, so sagte ich mir, die Dimensionen der deutsch-jüdischen Geschichte wirklich begreifen, kann man nur in Deutschland leben und arbeiten." In einer Autobiografie nun sollte das begründet werden. Als wolle, als müsse der Autor sich selbst Rechenschaft darüber abgeben, dass er als Kind das Exil- und Geburtsland Schweden verlassen hat.

<P>Oder dass er in Erlangen zur Schule gegangen ist und an der dortigen Universität, an der sein berühmter Vater ein hoch geschätzter Professor war, studiert hat. Dass er sich Ende der 60er-Jahre ins Berliner Getümmel gestürzt hat. Und dass er schließlich seine eigene berufliche Karriere u. a. über Bertelsmann in Gütersloh und die Universität Duisburg Schritt für Schritt aufgebaut hat.</P><P>Wohl hauptsächlich zum Zwecke einer persönlichen Standortbestimmung hat Schoeps - er ist ja erst 60 Jahre alt - jetzt "Mein Weg als deutscher Jude" vorgelegt. Konnte sein Vater auf die Frage, als was er sich verstehe, noch antworten "Preuße, Konservativer, Jude", sei ihm, dem Sohn, das heute verwehrt. Seine Antwort lautet: "ein Bürger der Bundesrepublik Deutschland, der eine jüdische Identität besitzt, aber, stark von protestantischem Milieu geprägt, deutsch fühlt und denkt."</P><P>Schoeps' Lebensbericht ist eine nicht ganz uneitle Aufzählung von Fakten und keine irgendwie literarisch gestaltete Biografie. Das Buch interessiert, sobald man als Leser die eine oder andere Erfahrung mit ihm teilt. Oder wenn der Autor Personen der Zeitgeschichte wie zum Beispiel Wolf Biermann attackiert. Wirklich Wissenswertes offeriert Schoeps aber immer dann, wenn er über Eltern und Vorfahren reflektiert. Mütterlicherseits über die Familie Mendelssohn-Bartholdy, über das brandenburgische Guts-Schloss, über jenen Landsitz also, der nach der Wende nun seit Nazi-Zeiten zum dritten Mal und definitiv abschließend "arisiert" wurde. Dann erfährt Schoeps' mitteilsame Selbstbefragung jene historische Dimension, die man sich eigentlich und gerne vom ganzen Buch erwartet hätte.</P><P>Der Autor stellt morgen in der Israelitischen Kultusgemeinde München, Prinzregentenstraße 91, sein Buch vor. Karten unter Tel. 089/ 47 10 67</P><P>Julius H. Schoeps: "Mein Weg als deutscher Jude"<BR>Pendo Verlag, Zürich<BR>318 Seiten<BR>19, 90 Euro.</P><P>Das Buch über unseren Partner amazon.de bestellen: <BR> Mein Weg als deutscher Jude. </P>

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