"Zu Recht ein Kammerspieler"

München - Vergessen? Zu lange stand er nicht mehr auf der Bühne, als dass man regelmäßig an ihn gedacht hätte. Doch plötzlich im letzten Sommer war Romuald Pekny, dieser Ausnahmeschauspieler, wieder vollkommen präsent - freilich nur in der Erinnerung. Salzburger Festspiele 2007, Premiere von Heiner Müllers "Quartett".

Was zählte da die nackte Bühnenerotik des Jeroen Willems gegen die Ausstrahlung sinnlicher Décadence, mit der einst Pekny die Rolle des Valmont würzte. Niemand in Sicht, der in seine Fußstapfen treten könnte. Gestern ist Romuald Pekny im Alter von 87 Jahren in Linz gestorben.

Von 1958-1991 gehörte der gebürtige Wiener zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. Er spielte Theater in Wien, war prominent bei den Salzburger Festspielen vertreten, war gefragt beim Fernsehen. Seine kongenialen Regiemeister hatte er aber in München - in Fritz Kortner und Dieter Dorn gefunden. Und das Publikum liebte ihn über alle Maßen. Denn dieser Mann besaß eine erotische Aura, die jede Vorstellung mit ihm zu einem Ereignis machte. Die Sinnlichkeit der Sprache, des Denkens, der Gestik; seine wunderbare Komik; seine verführerische Melancholie; der Haugoût, mit dem er vielfach die Menschen, die er darstellte, ausstattete - das alles machte ihn einzigartig.

War nun - und als diese Figur werden ihn heute wohl noch die meisten in Erinnerung haben - Goethes Mephisto die Rolle seines Lebens? War es, ebenfalls Goethe, Herzog Alphons in "Torquato Tasso"? Oder der Polizeipräsident in Genets "Wänden"? Der Cyprian in Botho Strauß' "Der Park"? Oder war es, in früheren Kammerspiele-Jahren, Hofmannsthals "Unbestechlicher"? Ganz sicher zählten dazu Shakespeares Jago in "Othello" und sein "Richard III.", die legendären Kortner-Inszenierungen. Vermutlich war für Romuald Pekny jede Rolle die seines Lebens. Denn immer spielte er, als ginge es um alles.

Pekny, Jahrgang 1920, hatte Krieg und Gefangenschaft hinter sich, als er das Reinhardt-Seminar in Wien besuchte. Sein erstes Engagement war Linz. Irgendwann dann folgte Frankfurt. Als Intendant Harry Buckwitz ihm dann nicht sofort die große Antrittsrolle gab, ließ Pekny den Vertrag platzen. Darob schickte der mächtig erboste Buckwitz an alle Intendanten der Republik einen Brief, in dem er vor diesem Schauspieler warnte. Münchens damaliger Kammerspielechef, Hans Schweikart, vermutete richtig: Der müsse besonders interessant sein - und engagierte ihn an sein Haus.

Dieter Dorn, der viel mit Pekny gearbeitet hat bis zu einer für beide Seiten nicht ganz schmerzlos vollzogenen Trennung, würdigt ihn heute, angesicht der Nachricht seines Todes, gegenüber unserer Zeitung: "Romuald Pekny war ein großer, wichtiger Mann der Kammerspiele. Als wir 1976 kamen, war er schon da und berühmt. Ich habe sehr gern mit ihm gearbeitet. Natürlich war sein Mephisto eine ganz besondere Figur. Das spielt ihm auch niemand nach. Ohne ihn hätte es den ,Faust so nie gegeben. Pekny war eine Mischung zwischen hochpräzisem Schauspieler, auch sprachlich natürlich, und absolutem böhmisch-österreichischen Hallodri und Schluri. Wenn man ihn da packte, war er toll." Das Besondere an ihm, so Dorn: "Er hat in seinen Rollen immer noch unterschwellig eine andere Möglichkeit mitgespielt. Und wenn er wollte, ließ er so eine leise, feine Homoerotik mitschwingen. Das war sein großes Geheimnis. Ich mochte ihn wahnsinnig gern. Er war zu Recht ein Kammerspieler." 

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