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Der Kampf Gut gegen Böse - mit den Mitteln des Tanzes: Cindy Martinez und Benny Kimoto.

Zu Besuch bei „Red Bull Flying Illusion“ in Paris

Tollkühne Tänzer

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Paris - Das Tanzspektakel „Red Bull Flying Illusion“ kommt im April in die Münchner Olympiahalle. Wir haben uns die Show von Vartan Bassil bereits in Paris angeschaut. 

Minzy schaut Benny in die Augen. Momente vergehen. Sie kann es nicht zu Ende bringen. Es wäre einfach, hier auf dem Containerumschlagplatz. Die beiden haben gekämpft, waren ineinander verschlungen. Einer stößt, der andere fällt. Minzy hat den „Flying Hero“ überwältigt. Benny liegt am Boden, sie beugt sich über ihn. Aus den Sternen am Leinwandhimmel werden weiche Schneeflocken. Es wird hell.

Es ist der Kampf Gut gegen Böse

Es war ein Kampf zwischen Gut und Böse inmitten der Container. Als Minzy von ihrem Kontrahenten ablässt, wird klar: Böse ist nicht gleich böse. In Minzy (Cindy Martinez), der einzigen Frau der „Dark Illusions“, steckt auch Gutes. Trotz des schwarzen Astronautenanzugs, trotz ihrer dunklen Augen.

Dass die Guten gegen die Bösen kämpfen, ist nicht neu. Das ist so bei „Harry Potter“, bei „Star Wars“, in Goethes „Faust“ und sogar in der Bibel. „Red Bull Flying Illusion“ spielt in der Zukunft, in der es „Flying Heros“ mit „Dark Illusions“ aufnehmen müssen – ohne Fäuste, List oder Zauberei, dafür mit pulsierenden Beats und zuckenden Bewegungen.

Die Show wurde 2014 uraufgeführt

In der Show „Red Bull Flying Illusion“ von Vartan Bassil kombinieren zwölf Tänzer der Urban-Dance-Crew „Flying Steps“ Breakdance und Illusion. Vor Kurzem machten sie auf ihrer Europa-Tour Halt im Zenith in Paris. Im April kommen sie nach München in die Olympiahalle.

Seit der Uraufführung 2014 haben sie die Choreografien weiterentwickelt, und arbeiten laufend weiter daran. „Erst gerade haben wir eine neue Nummer choreografiert. Wir haben 100 Ideen und überlegen laufend, wie wir die noch reinbringen können“, sagt Bassil, Mitbegründer und künstlerischer Leiter der „Flying Steps“, nach der zweiten Show in Paris. Darum geht es an diesem Abend. Der Tanz spielt die Hauptrolle. Die Handlung, der Kampf von Gut und Böse, ist zweitrangig.

Jeder Tänzer bringt seinen Stil mit

„Wir sind nicht auf der Bühne, um wunderbare, tiefgründig ausgedachte Romane zu schreiben“, sagt Bassil. Aber um 80 Minuten auf der Bühne zu tanzen, brauche es einen roten Faden. Eine Geschichte, die die Tänzer mit ihren Bewegungen und Soli erzählen. „Ohne roten Faden wären es verschiedene Akrobatiknummern“, sagt Bassil. Davon haben „Flying Heros“ in blauen, asiatisch anmutenden Kostümen und die „Dark Illusions“, die an ihren futuristischen Uniformen zu erkennen sind, aber viele zu bieten. Jeder der zwölf Breakdancer hat seinen eigenen Stil entwickelt. Lil Amok hüpft wie ein Basketball quer über die Bühne – auf einer Hand. Benny Kimoto dreht sich minutenlang auf seinem Kopf als wollte er durch den Boden. Und Minzy fliegt wie Tinker Bell durch die Luft.

Die Musik kommt aus Berlin

Seinem Auge entgeht kein Fehler: Vartan Bassil.

Christos Zacharas, genannt Robozee, bleibt beim Tanzen auf seinen Beinen, erzählt mit seinen Armen und Fingern aber umso mehr. In einem Kampf wird er von den Bösen eingefroren. Er tanzt sich frei, mal robotergleich mit abgehakten Bewegungen, mal als würde er an einem Kaugummi ziehen. Die Musik passt dazu: Als würde Glas klirrend zerbrechen und seine Knochen knarzen. Als Robozee frei ist, scheint es, als würde er die Klaviertasten in der Luft spielen, so genau trifft er mit seinen Bewegungen die Töne.

Die Musik kommt von den Brüdern Ketan und Vivan Bhatti aus Berlin, die für die Inszenierung Orchestermusik mit Hip-Hop gemixt haben. Die Tänzer konnten ihnen sagen, was sie für ihre jeweiligen Choreografien brauchen. „Das ist das Schöne an dem Projekt. Wir konnten alles selbst kreieren“, sagt Vartan Bassil.

Vor zwei Jahren war „Flying Illusion“ vor allem hektisch. Es gab keine Pausen zwischen den Stücken, jetzt sind es drei Sekunden. Die Show ist zudem zehn Minuten länger geworden. „Bei der Uraufführung in Berlin hatten wir den Abend nicht zu Ende geschliffen.“ Doch fertig sei das Projekt immer noch nicht. Es stecke noch viel Potenzial drin, sagt Bassil. Dadurch, dass jeder Tänzer immer weiter an sich arbeite und seine Soli verbessere, bleibe die Show lebendig, findet auch Robozee.

Im Entwicklungsprozess passiert es aber auch mal, dass ein, zwei Tänzer nicht synchron tanzen, ihr Standbild nicht auf den Punkt klappt. Vartan Bassil notiert sich das alles während der Show. „Einer muss sie ja zusammenhalten“, sagt der künstlerische Leiter und lacht.

„Das ist keine Arbeit“, sagen die Tänzer

Die Tänzer von „Flying Illusion“ leben für den Breakdance, für die Show. „Das ist keine Arbeit, kein Hobby. Das ist im Leben drin“, sagt Robozee. Er steht als Anführer der „Flying Heros“ auf der Bühne, obwohl seine Eltern ihn mit sieben Jahren eigentlich in einen Kurs für lateinamerikanische Standardtänze gesteckt haben. Breakdance beeindruckte den Buben damals aber mehr – und daran hat sich bis heute nichts geändert. In Paris stürzte er von der Bühne, weil eine Absperrung anders angebracht war als sonst. Nach viel Eisspray auf dem geschwollenen Knie trat er abends dennoch wieder auf. Ohne Tanzen geht es bei ihm einfach nicht. Aufgeben? „Erst wenn ich sterbe!“

„Flying Illusion“ ist jedoch ein bisschen mehr als Breakdance. Die Künstler spielen auch mit den Lichteffekten: Da zerfällt Bühnennebel wie Kreidestaub, Tänzer verschwinden in der Wand, um später wieder im Publikum aufzutauchen, getanzte Schlägereien werden mit Sprechblasen wie in Comics versehen. Und ein schwarzer Schatten verfolgt die „Flying Heros“, scheint auch mal in einen der Körper zu schlüpfen. Es ist nämlich nicht nur so, dass in der bösen Minzy etwas Gutes steckt. Denn Bassil sagt: „Ich liebe keine Happy Ends.“

„Flying Illusion“

gastiert am 8. und 9. April in der Münchner Olympiahalle; Telefon 089/ 54 81 81 81.

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