Referentin auf Abruf

- Sind Lydia Hartls Tage als Münchens Kulturreferentin gezählt? Wie berichtet, hat sich die parteilose Wissenschaftlerin um eine Professur an der Universität in Linz beworben. Am Montag hielt sie dort einen Vortrag, nun läuft die akademische Entscheidungsfindung.

<P>Der ganze Vorgang ist nicht nur ein Affront gegen die Stadt München, mit der sie einen Vertrag bis Sommer 2007 hat. Diese Bewerbung ist auch höchst unklug. Sollte Hartl eine Berufung nach Linz erhalten, dann wird sich Oberbürgermeister Christian Ude auf die Suche nach einem neuen Referatschef machen müssen. Sollte die Professorin in Linz abblitzen, kann er sich ebenfalls um die Hartl-Nachfolge kümmern. Denn in Zukunft dürfte es der Referentin schwer fallen, Akzeptanz zu finden.<BR><BR>Christian Ude: "Lydia Hartl hat durch die Bewerbung in Linz ihre Position hier sehr geschwächt." Im wissenschaftlichen und auch im künstlerischen Betrieb seien solche Auswärtsbewerbungen Usus, um den eigenen Marktwert zu steigern. "Aber es ist ein schwerer Fehler, dieses Verhalten in die Politik zu übertragen." Hartls Kokettieren mit Linz werde "als ernsthafte Bewerbung verstanden, sich aus München wegzubewegen. Oder als innere Kündigung. Selbst wenn die Kulturreferentin im Auswahlverfahren dort an ehrenvoller zweiter oder dritter Stelle liegen sollte, werden die Politiker hier sagen: Jetzt haben sie sie nicht einmal in Linz genommen."<BR><BR>Die Frage, ob ihr in München vielleicht empfohlen worden sei, sich elegant wegzubewerben, verneint der OB: "Ich hatte ihr immer wieder nahe gelegt, ohne Wenn und Aber zu bleiben. Doch nun ist sie nur noch entweder eine Referentin auf Abruf oder eine Referentin wider Willen." </P><P>Falls Hartl wirklich geht: Ließe sich, die Finanznot der Stadt berücksichtigend, die Stelle nicht gleich einsparen? Ude: "Nein. Man braucht dieses Amt. Ich bin nicht dafür, die kommunale Kultur in verschiedene GmbHs aufzulösen, wie in manchen Städten schon geschehen. Man kann zwar als Kulturreferent in schlechten Zeiten nicht so eine Menge anregen und bewegen wie in guten; trotzdem müssen Akzente gesetzt, das Niveau bestimmt, Entscheidungen getroffen werden. Es gibt einen kulturpolitischen Spielraum auch in kargen Zeiten."<BR><BR>Jedenfalls habe er schon mal, so Ude, "die Sachgebietsleiter und Personalvertreter des Kulturreferats zu sich eingeladen, darüber zu sprechen, dass und wie die Arbeit weiterzugehen hat, unabhängig von derzeitigen Irritationen". Die nicht nötig gewesen seien, zumal Lydia Hartl gerade in der letzten Zeit "drei schöne Erfolge aufzuweisen hatte: Beschlüsse über den Ausbau des Filmmuseums, den Grundsatzbeschluss zum Jüdischen Museum und die Berufung von Bernhard Purin zu dessen Direktor".<BR><BR>Lydia Hartl, die Gescholtene, scheint indes den Ärger, der ihre Bewerbung hervorgerufen hat, nach wie vor nicht zu verstehen. Per Fax teilte sie gestern Nachmittag mit: "Ich bin für sechs Jahre gewählt und will dieses Amt mindestens bis zum Ende dieser sechs Jahre ausfüllen. Ein Rücktritt als Kulturreferentin steht für mich nicht zur Debatte. . . Ich bedaure, dass durch meinen Vortrag in Linz der Eindruck entstanden ist, ich wolle mein Amt in München aufgeben."<BR></P>

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