+
Das gleiche Gesicht, das gleiche Talent: Regisseur David Dietl, Sohn des Regisseurs Helmut Dietl (1944 bis 2015), im Münchner Café „Sobicocoa“. Am morgigen Freitagabend um 20.15 Uhr zeigt die ARD seinen ersten Fernsehfilm, die Komödie „Ellas Baby“.

Der Sohn von Helmut Dietl ist heute selbst Regisseur

David Dietl im Interview: „Das war eine Art Erweckungserlebnis“

  • schließen

Regisseur David Dietl spricht im exklusiven Interview über seinen ARD-Film „Ellas Baby“ und das enge Verhältnis zum berühmten Vater Helmut Dietl.

Er ist ihm wie aus dem Gesicht geschnitten und hat ganz offensichtlich auch sein Talent geerbt: David Dietl, Sohn des im März 2015 verstorbenen Regisseurs Helmut Dietl („Münchner Geschichten“, „Kir Royal“, „Schtonk!“), ist ein wunderbarer Erzähler. Das gilt fürs persönliche Gespräch genauso wie für seine Filme. Nach der Gesellschaftssatire „König von Deutschland“, die 2013 im Kino lief (mit Veronica Ferres und Olli Dittrich in den Hauptrollen), legt der 37-jährige Münchner nun seinen ersten Fernsehfilm vor, den die ARD am morgigen Freitag um 20.15 Uhr zeigt: In „Ellas Baby“ geht es um ein junges Mädchen, das schwanger von einem Schüleraustausch zurückkehrt und die Familie gleich vor einige Herausforderungen stellt. Was David Dietl an dieser Geschichte gefällt und welche Rolle sein Vater in seinem Leben gespielt hat, erzählt er unter anderem im Interview.

Ihnen ist mit „Ellas Baby“ ein zauberhafter Film gelungen, der einen zum Lachen, zum Weinen und zum Nachdenken bringt. Ab wann hat man als Regisseur eigentlich das Gefühl: Das wird gut?

David Dietl: In dem Fall wusste ich es, als ich das Drehbuch von Elena Senft gelesen habe. Sie findet diesen Zwischenklang zwischen Emotionalität und Komik sehr gut, nimmt die Figuren und das Thema ernst. Und als wir dann die Schauspieler bekommen haben, die wir wollten, war ich mir ganz sicher.

Die Titelrolle spielt Tijan Marei, eine ganz tolle junge Darstellerin. Wie haben Sie sie gefunden?

Dietl: Über ein großes Casting. Wir brauchten ein Mädchen, das einerseits über 18 Jahre alt ist, weil es dann keine Beschränkungen mehr bei den Drehzeiten gibt. Gleichzeitig sollte sie glaubhaft eine 15- oder 16-Jährige spielen können. Das ist gar nicht so einfach, aber Tijan war in jeder Castingrunde dabei und wurde immer besser. Sie ist eine echte Entdeckung, finde ich.

Ella kommt schwanger vom Schüleraustausch in Frankreich heim und stellt ihr Leben und das ihrer Familie gehörig auf den Kopf. Was hat Sie an diesem Thema persönlich interessiert?

Dietl: Die Geschichte hat viele Anknüpfungspunkte an mein eigenes Leben. Und das ist mir wichtig. Der Film hat eine gewisse Traurigkeit, ist aber doch heiter. So gehe ich auch durchs Leben. Ich sehe in allem Schweren auch immer das Leichte.

Ihr Vater starb, als Sie anfingen, sich mit „Ellas Baby“ zu beschäftigen. Begleitet er Sie innerlich durch so eine Arbeit? Fragen Sie sich, ob ihm der Film gefallen hätte?

Dietl: Nein, er begleitet mich nicht innerlich. Es ist auch nicht so, dass ich die ganze Zeit an ihn gedacht hätte während der Dreharbeiten. Was ich aber schon gemacht habe: An dem Tag, als „Ellas Baby“ auf dem Münchner Filmfest Premiere gefeiert hat, habe ich ihn auf dem Friedhof besucht und ihm davon erzählt. Das war sehr emotional. Kollegen, die dann am Abend bei der Vorführung waren, meinten: „Der Film hätte ihm bestimmt sehr gefallen.“

Sie hatten ein sehr enges Verhältnis, obwohl Sie nicht bei ihm aufgewachsen sind?

Dietl: Ja, das stimmt. Ich bin bei meiner Mutter und meinem Stiefvater aufgewachsen. Wir haben aber immer in der Nähe meines Vaters gewohnt, Ecke an Ecke in Schwabing sozusagen, und haben diese Patchwork-Idee sehr gut hinbekommen. In den letzten Monaten vor seinem Tod haben mein Vater und ich dann noch mal besonders viel Zeit miteinander verbracht und gemeinsam an einem Drehbuch gearbeitet. Leider ist es nicht mehr fertig geworden.

Werden Sie es alleine zu Ende bringen?

Dietl: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen.

Im Gespräch über „Ellas Baby“ und seinen Vater: MedienRedakteurin Stefanie Thyssen und Regisseur David Dietl.

Sie haben in Berlin an der Filmhochschule studiert, nicht in München. War das eine bewusste Entscheidung, weil der Name Dietl hier in München eine andere Wucht hat als anderswo?

Dietl: Absolut. Das war eine ganz bewusste Entscheidung, so sehr ich München mag. Aber ich hatte große Lust, nach Berlin zu gehen und habe dort 15 tolle Jahre verbracht. Nach dem Tod meines Vaters wollte ich aber gerne nach München zurück, näher bei der Familie sein. Mehr Zeit mit ihr verbringen. Ich habe wieder gemerkt, was wirklich wichtig ist.

War Ihr Vater auch der Grund dafür, dass Sie Regisseur geworden sind?

Dietl: Ich wollte eigentlich immer Geschichte oder Archäologie studieren.

Was hat Sie umschwenken lassen?

Dietl: Letztlich mein Praktikum am Set von „Rossini“. Das war eine Art Erweckungserlebnis. Da war ich 16 und fand das megaspannend. Diese Riege von deutschen Schauspiel-Giganten, die mein Vater da versammelt hatte, das war schon beeindruckend. Da herrschte eine besondere Magie, und ich habe gedacht: Wenn man mit so einer Arbeit Geld verdienen kann, möchte ich das auch machen.

Und Ihr Vater war sofort einverstanden?

Dietl: Ja, total. Es war bei uns eher andersrum als bei anderen, wo die Eltern sich wünschen, dass die Kinder „etwas Vernünftiges“ machen. Als ich meinem Vater erzählte, dass ich Geschichte studieren wollte, meinte er: Jetzt machst Du erst mal ein Praktikum bei mir. (Lacht.)

Was ist das Wesentlichste, das er Ihnen für den Beruf mitgegeben hat?

Dietl: Die Liebe zu den Schauspielern. Er hat seine Schauspieler auf Händen getragen. Sie waren für ihn immer das Allerwichtigste. Das habe ich mir sehr zu Herzen genommen, und ich versuche auch, am Set eine Atmosphäre zu schaffen, in der alle Lust haben, zusammen zu spielen, sich wohlfühlen und sich dann was trauen.

Konnten Sie das trennen – den Regisseur Dietl und den Vater Dietl?

Dietl: Ich konnte das trennen, aber ich musste es tatsächlich erst lernen. Ich habe ihn als Vater übrigens lieber gemocht denn als Regisseur. (Lacht.) Da war er entspannter.

Haben Sie nach „Ellas Baby“ nun mehr Lust auf eine eigene Familie bekommen oder ist die Vorstellung, dass eine pubertierende Tochter schwanger werden kann, eher abschreckend?

Dietl: (Lacht.) Ob ich Lust auf eine pubertierende Tochter habe, weiß ich nicht so recht. Aber ich habe auf jeden Fall Lust auf Kinder und Familie. Auch auf die Gefahr hin, dass das Leben dadurch manchmal schwierig wird – Familie ist doch das Wichtigste, was es gibt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Der neue Asterix kommt heute raus - leider fehlt etwas 
Fans dürften den Tag sehnsüchtig erwartet haben: Am Donnerstag kommt der neue Asterix-Band (Asterix in Italien) in den Handel. Wir haben schon darin geblättert - und …
Der neue Asterix kommt heute raus - leider fehlt etwas 
Nach Unfall: Jetzt muss Ed Sheeran etliche Konzerte absagen
Ed Sheeran (26, „Galway Girl“) muss nach seinem Fahrradunfall etliche Auftritte absagen. „Ein Besuch bei meinem Arzt hat Brüche in meinem rechten Handgelenk und linken …
Nach Unfall: Jetzt muss Ed Sheeran etliche Konzerte absagen
Gefeuerte Darsteller, Krach ums Geld: Wirbel um Roland-Kaiser-Musical
Deutschlands Schlagerstar Roland Kaiser selbst distanziert sich von dem Musical, das über ihn im Deutschen Theater in München aufgeführt werden soll. Es gibt Krach - und …
Gefeuerte Darsteller, Krach ums Geld: Wirbel um Roland-Kaiser-Musical
„Ich liebe Happy Ends!“
Sie trifft den Puls ihrer Generation. Am Samstag kommt die Poetry-Slammerin Julia Engelmann in den Münchner Circus Krone, Restkarten gibt es mit etwas Glück an der …
„Ich liebe Happy Ends!“

Kommentare