Regisseure und Dirigenten würdigen Wolfgang Wagners Verdienste

Berlin - Großen Respekt vor der Lebensleistung Wolfgang Wagners (88) verbunden mit einigen kritischen Anmerkungen bekunden Regisseure und Dirigenten vor dem Ausscheiden Wagners als Leiter der Bayreuther Festspiele am kommenden Montag.

Seine Nichte Nike (63), die sich auch um seine Nachfolge beworben hat, bescheinigt ihm im Berliner "Tagesspiegel" (Mittwoch), der mehrere prominente Zeitzeugen befragte, Wagner habe für die Bayreuther Festspiele "sein Äußerstes getan". Wolfgang Wagner leitete die Festspiele gemeinsam mit seinem Bruder Wieland seit 1951. Nach dem Tod Wieland Wagners 1966 war er alleiniger Intendant.

Wolfgang Wagner habe die fragile Institution zu einem mächtigen Unternehmen gemacht "und dadurch die Anerkennung des Bundes mit Kanzlerin, des Freistaates Bayern, der Stadt Bayreuth mit wechselnden Oberbürgermeistern, eines assistierenden Stiftungsrates, privater Geldgeber und aller Wagnervereine dieser Welt gewonnen", meint Nike Wagner, die Tochter des 1966 gestorbenen Wieland Wagners. "Das kann man nur bewundern."

Der Bayreuth-Dirigent Christian Thielemann der nach eigener Aussage bis jetzt 82 Aufführungen am Grünen Hügel dirigiert hat, sieht sich selbst als "Wolfgang Wagners letzte Neuerwerbung", von dem er "unglaublich viel" gelernt habe. "Wolfgang Wagner ist Künstler und Realist, Regisseur und Pfennigfuchser, ein genialer Handwerker, ein bedeutender Mann des Theaters." Auch sein Kollege Daniel Barenboim meint: "Ich habe 18 Jahre lang auf dem Grünen Hügel dirigiert und habe dort wahnsinnig viel gelernt." Wolfgang Wagner sei der perfekte Intendant gewesen, auch weil er das Schöpferische in jedem Regisseur verteidigt habe. Über seine erste Begegnung mit Wolfgang Wagner sagt Barenboim, er habe damals "kein Wort verstanden, er sprach ja Fränkisch".

Der Regisseur Christoph Schlingensief, der von 2004 bis 2007 Furore mit seiner umstrittenen "Parsifal"-Inszenierung in Bayreuth machte, sagt, er werde Wagner "als liebenswerten Patriarchen in Erinnerung behalten, erstaunlich besessen, erstaunlich tolerant, die künstlerische Freiheit achtend bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus". Wolfgang Wagner sei "ein fürsorglicher und ein guter Hausvater" gewesen.

Der "Ring"-Regisseur Jürgen Flimm bescheinigt Wagner, den "klugen Schritt" getan zu haben, das Unternehmen Bayreuth in eine Stiftung zu überführen. Zum Intendanten Wagner meinte Flimm, Wagner habe "im Verein mit Gudrun" (der verstorbenen Ehefrau Wagners) immer wieder versucht, "seine Sicht auf die Stücke des Opas durchzudrücken, von Konzeptionsbesprechungen bis in die Proben hinein. Davon können alle Kollegen ein Lied singen. Da waren die Grundsätze eines guten Intendanten, der den Regisseur unterstützt, außer Kraft gesetzt".

Der Regisseur Hans-Jürgen Syberberg, der ein spektakuläres Filmgespräch mit der 1980 gestorbenen Winifred Wagner, Wolfgangs Mutter, führte, meint, Wolfgang Wagner sei wohl der Letzte "einer untergehenden Familiengeschichte". Nach seinem Winifred-Film habe er, Syberberg, in Bayreuth ein "passives und aktives Hausverbot total (Karten und Arbeit)" erhalten. Summa summarum aber bescheinigt Syberberg Wagner eine "fränkische Grandezza" und meint: "Seine Figur wird uns fehlen."

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