Als Regisseurin hat sie die Hosen an

- Gemeinhin sind Theater schwerfällige Apparate. Es herrscht Mangel an aktuellen Stücken, die auf unmittelbare Gegenwart reagieren und deutlich politisch grundiert sind. Nun aber gibt es so einen Text. Und das Bayerische Staatsschauspiel hat schnell zugegriffen. An diesem Sonntag hat im Theater im Haus der Kunst "Peanuts" Premiere. Geschrieben vom 26-jährigen Italiener Fausto Paravidino. Eine szenische Paraphrase auf den skandalösen G-8-Gipfel von Genua. Regie führt Tina Lanik (28). Sie war bereits in der vergangenen Saison mit ihrer Inszenierung von Fassbinders "Tropfen auf heiße Steine", ebenfalls im Haus der Kunst, als Regisseurin angenehm aufgefallen.

<P></P><P>Staatsschauspiel-Dramaturgin Laura Olivi, die das 2001 in London uraufgeführte Werk entdeckt und übersetzt hat, reichte es der jungen Regisseurin zur Lektüre. Und Tanja Lanik wusste sofort, "dass ich das machen möchte". Denn: "Es gibt so wenig zeitgenössische Stücke, die auch einen konkreten politischen Hintergrund haben."<BR>Dennoch hat der Autor jede naturalistische Festlegung vermieden, und es ließe sich die im ersten Teil unfreiwillig eskalierende Party einiger Jugendlicher mit noch vielen anderen Dingen frei assoziieren. Nur die Szenen-Überschriften wie beispielsweise "Arbeitsmarktpolitik", "Respekt vor dem Eigentum" oder "Revolution und neue Techniken des Kampfes" weisen auf ernsthaft Gesellschaftskritisches.</P><P>Dass Tina Lanik jetzt abermals im Theater im Haus der Kunst, diesem schwierigen Schauplatz, inszeniert und nicht auf der großen Bühne, stört sie nicht im geringsten: "Das ist für das Stück der einzig mögliche Raum, allerdings werden wir ihn anders bespielen als üblich. Wir, meine Bühnenbildnerin Magdalena Gut und ich, suchen uns eigentlich immer Schauplätze, die nicht typisch Theater sind. Für eine Guckkastenbühne zu inszenieren, würde uns vermutlich sehr viel schwerer fallen."</P><P>Zum Theater ist die Regisseurin, die in Wien Politikwissenschaft studiert hat - "aber nur bis zum Vordiplom" -, durch Zufall gekommen. Auf einer Hochzeit in Südafrika lernte sie den dort ebenfalls als Gast anwesenden Regisseur Elmar Goerden kennen. Der lud sie damals ein, ihn am Theater in Stuttgart einmal zu besuchen und gab ihr Gelegenheit, als Hospitantin in den Betrieb dort hineinzuschnuppern. Womit die Studentin für immer verloren war sowohl für die Politik als auch für die Wissenschaft. Nach Stuttgart kam das Schauspielhaus Wien, dann zwei Jahre bei Luc Bondy. Und weil Mentor Goerden inzwischen zum Bayerischen Staatsschauspiel gewechselt ist, hat man sich auch in München für die kluge, junge Frau interessiert, die in ihrer erst kurzen "Karriere" immer nur Zeitgenössisches inszeniert hat. Keine Lust auf die großen Brocken? "Das soll ja alles noch kommen. So lange übe ich doch diesen Beruf noch nicht aus. Klar würde ich gerne Klassiker machen oder eine richtig schöne Komödie, zum Beispiel eine von Feydeau."</P><P>Das Thema Frau und Beruf sollte man, so zunächst der Gesprächseindruck, gegenüber Tina Lanik gar nicht anschneiden. Die Frage, ob junge Männer schneller und größer in den Regieberuf starten, fegt sie energisch vom Tisch: "Ich habe das nie so empfunden. Ich will weder einen Vorteil, noch einen Nachteil davon haben, dass ich eine Frau bin. Alter und Geschlecht spielen hier wirklich keine Rolle." Dann aber räumt sie doch Zweifel ein. Etwa die Sorge, in diesem Beruf zu vermännlichen. "Ich glaube, dass Frauen Probleme haben, mit so einer Machtposition umzugehen. Wenn ich auf der Probe einen Rock an hätte, bräuchte ich fünf Stunden länger, um etwas durchzusetzen als wenn ich Hosen trage."</P><P>Und dass Regisseurinnen beispielsweise im Falle einer "Medea" gesagt bekommen, "jetzt macht sie wieder ihr Frauenthema", wurmt sie auch. Tina Lanik: "Niemand würde Adäquates über einen Mann sagen, wenn er Schillers ,Räuber inszeniert. Aber gerade das ist das Stück, das ich sehr gerne machen würde."</P>

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