Im Reich des Bizarren

- Der eine oder andere dürfte etwas irritiert gewesen sein über Arcadi Volodos' kleinteilige Programmgestaltung: Neben zahlreichen kurzen Stückchen von Skrjabin, Rachmaninow und Liszt bot der russische Pianist lediglich zwei umfangreichere Werke der Klavierliteratur - Skrjabins Sonate Nr. 8 und Schuberts As-Dur-Sonate D 557 (Münchner Philharmonie). Unter solchen Umständen war der Hörer natürlich genötigt, seine Aufmerksamkeit ebenso auf diese winzigen Nebenprodukte zu richten wie auf die großen "Hauptstücke" - eine durchaus lehrreiche Erfahrung . . .

<P>Rachmaninows Melodie op.3/3 etwa, die Volodos mit einigen anderen Miniaturen des Komponisten offerierte, gewann durch die "Aufnahme" in den offiziellen Programmteil Einiges an Würde zurück, die sie in vielen Konzerten als weinerliche und harmlose Zugabennummer eingebüßt hatte. Volodos bemühte sich hier nicht nur um den hübschen Melodieeinfall - der ihm rührend einfach glückte -, sondern widmete sich genauso eingehend dem üppigen Beiwerk des Stücks. </P><P>Skrjabins achte Sonate, die er zu Beginn spielte, geriet dagegen etwas zu elegant und distanziert. Wenn man unzüchtigere, verderbtere (also skrjabineskere) Annäherungen an das Spätwerk sucht, muss man sich wohl immer noch an Shukow oder (in der siebten und neunten Sonate) an Horowitz halten.<BR><BR>Nach Schuberts As-Dur-Sonate, die in der zweiten Hälfte serviert wurde, drei Liszt-Stücke. Vor allem das Petrarca-Sonett 123 gelang ungemein "romantisch", mit verblüffenden Klangeffekten und großer Geste, während er in der Danse macabre von Saint-Saë¨ns/ Liszt/ Horowitz/(Volodos?) einfach nur verteufelt gut Klavier spielte. </P><P>Die Zugaben führten schließlich ins Reich des Bizarren: Hier stellte Volodos seine neuen Transkriptionen vor - von Moszkowskis F-Dur-Etüde über eine Carmen-Szene bis zur 15. Rhapsodie von Liszt -, um dann über die vorhersehbare (euphorische) Publikumsreaktion milde zu lächeln.Alexander Baltin</P>

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