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Schatten, die eine Geschichte erzählen: Bei „Shadowland“ wandeln die Umrisse wie von Zauberhand ihre Gestalt.

Münchner Prinzregententheater

Im Reich der Schatten

München - Im Münchner Prinzregententheater feierte „Shadowland“ seine Wiederaufnahme.

Gerade eben noch hat sich die Tänzerin in der Leinwand wie in einem Spiegel betrachtet. Sie hat ihre Hand gehoben, den Kopf gedreht und dabei ihren Schatten nicht aus den Augen gelassen. Die dunkle Silhouette verdoppelt jede ihrer Bewegungen. Doch plötzlich hebt der Doppelgänger die Hand, lockt das Mädchen in seine Welt.

So beginnt das überdimensionale Schattenspiel des Pilobolus Dance Theatre, dessen Stück „Shadowland“ nun im Münchner Prinzregententheater seine Wiederaufnahme feierte. Die Handlung ist schnell erzählt: Die Hauptperson, ein unschuldig wirkendes Mädchen im weißen Kleid, sehnt sich nach Freiheit. Längst fühlt sie sich erwachsen. Sie schminkt sich die Lippen und polstert ihre Oberweite mit Socken. Die Eltern sehen das gar nicht gerne, für sie ist und bleibt die Tochter ihre Kleine. Erst die Abenteuer im Schattenland lassen das Mädchen vom Kind zur Frau reifen. So weit so platt.

Wie diese Geschichte umgesetzt wird, ist trotzdem spannend: Die Tänzer agieren die meiste Zeit hinter einer großformatigen Leinwand. Für den Zuschauer sind nur ihre Schatten sichtbar, die sich wie von Zauberhand von einer Form in die nächste verwandeln. Aus Händen wachsen exotische Pflanzen, aus einem Ellbogen wird eine Hundeschnauze, aus vielen Körpern ein Elefant, ein Auto oder ein Schloss. Der szenischen Fantasie bietet das Schattenspiel jede Menge Möglichkeiten: Der Raum lässt sich durch Licht und Schatten je nach Belieben vergrößern oder verkleinern, Größenverhältnisse lassen sich verzerren, in der Interaktion mit den Schauspielern bekommen Scheinwerfer eine erzählerische Bedeutung. Das alles ist interessant und auch amüsant anzuschauen, bleibt aber flach.

Zwischendurch agieren die Tänzer immer mal wieder vor der Leinwand, in einer Mischung aus Tanz und Akrobatik. Wie in einer Nummernrevue stolpert das Mädchen dabei von einer Szenerie in die nächste: Gerade eben noch haben Jäger sie im Wald gefangen, da findet sie sich plötzlich in einer Art Zirkus wieder, der von einer peitschenschwingenden Domina beherrscht wird. „Shadowland“ setzt vor allem auf Show-Effekte. Schade. Aus dem Schattenspiel hätte sich mehr machen lassen. Die Zuschauer im Prinzregententheater belohnten das Spektakel trotzdem mit lang anhaltendem Applaus.

Weitere Vorstellungen bis 17. November,

Prinzregentenplatz 12; Telefon 089/ 54 81 81 81.

Katharina Mutz

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