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Den Kampf des Jägers mit Mann, Frau und sich selbst erlebte das Publikum im Marstall Café hautnah. Publikums- und Bühnenraum hoben sich auf.

Premierenkritik

Junge Regieassistenten dürfen sich im Marstall Café austoben

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München - In der Reihe „Nachts und nebenbei“ inszenieren Regieassistenten Stücke des Residenztheaters auf ihre Weise.

Eigentlich geht das doch gar nicht. Im Marstall Café, auf diesen wenigen Quadratmetern Bretterboden die großen Werke der Theaterwelt zu inszenieren. Noch dazu, weil ja auch die unverrückbare Bar und das Publikum irgendwie Platz finden müssen. Unmöglich, oder?

Denkste. In der Reihe „Nachts und nebenbei“ beweisen Regieassistenten, dass mit Kreativität jeder noch so kleine Raum bespielbar ist. Die ganze Welt ist Bühne – warum dann nicht auch das Theatercafé. Mirjam Loibl formuliert es so: „Wir haben einen Mangel an Platz – und ziehen daraus den Gewinn.“ Mit „wir“ meint die junge Regieassistentin sich und ihre sechs Kollegen, die am Mittwoch gemeinsam den ersten Abend von „Nachts und nebenbei“ gestalteten. Das Ziel: das Drama „Der Weibsteufel“ von Karl Schönherr mit geringsten zeitlichen und räumlichen Mitteln zum Leben zu erwecken.

Die Kollegen nebenan zeigen derzeit im Residenztheater, wie die Inszenierung dieser Dreiecksgeschichte auf großer Bühne aussehen könnte. Auch die nächsten Stücke der Assistentenreihe werden aus dem Resi-Repertoire sein. Ein geschickter Zug des Theaters. Haben damit doch nicht nur die Jung-Regisseure Gelegenheit, sich kreativ auszutoben – sondern erlebt gleichzeitig der Zuschauer, wie unterschiedlich ein Stück inszeniert werden kann.

Aus einem Mangel wollten sie also Gewinn machen. Das ist ihnen gelungen. Denn Loibl, Dramaturgie-Assistent Constantin John und alle anderen aus ihrem Team haben kurzerhand auch Treppenaufgang, Eingangsbereich, Fahrstuhl und Außenraum des Marstalls zum Bespielen genutzt. Der Clou: Frau (Valentina Schüler), Mann (Paul-Wolff-Plottegg) und Jäger (Philip Dechamps) agieren an unterschiedlichen Orten. Steht sie im Theater-Container draußen hinterm Gebäude auf dem Stepper, klettert der Jäger gerade das Treppengeländer herab und sitzt der Mann im Aufzug. Zum Beispiel. Die Szenerie ändert sich ständig. „Wir haben Räume gebaut, und ihr sollt sie betreten. Und wer genug hat, wechselt einfach zum nächsten“, heißt es im Programmheft.

Am Anfang sind die Cafébesucher noch etwas unschlüssig, ob sie den Ort wechseln sollen. Dann aber setzt der Herdentrieb ein. Ein Schießen, ein Rufen dröhnt von unten. Na, lieber mal nachschauen, was da vor sich geht. Klar ist: Wer den Raum wechselt, verpasst das Geschehen im anderen Bereich. Verpasst, was jeder Darsteller dort monologartig aufsagt. Textfragmente sind das, Schönherrs Werk ergänzt durch philosophische Erweiterungen. Teils von den Schauspielern auf Band eingespielt. Teils direkt vorgetragen, vorgelesen, improvisiert.

Weil alles gleichzeitig auf drei Ebenen passiert, ist es unmöglich, alles Gesagte zu erfassen. Soll man auch nicht. Denn durch dieses Stückeln des Dramas in kleine Häppchen, die sich jeder wie es ihm beliebt vom Theater-Buffet holen kann, kommt die ganze Tragik der Figuren – und von (Liebes-)Beziehungen im Allgemeinen zum Vorschein: Niemand weiß je alles von dem anderen; und selbst wenn noch so viel gesprochen wird – die Innenwelt bleibt vernebelt. Die Darsteller hören manches voneinander über Lautsprechereinspielungen, der andere ist stimmlich also im Raum, aber nicht greifbar. So sind sie am Ende zusammen doch allein. Ein kluger Ansatz, der die Mitarbeit des Publikums wirkungsvoll belohnt. Applaus und Party im Café.

Das nächste Stück

der Reihe ist „Hoppla, wir leben!“ am 16. März um 21.30 Uhr im Marstall Café. Karten: 089/ 2185-1940.

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