Reines Vergnügen

- "Comè triste la tua commedia" sagte Arrigo Boitos langjährige Lebensgefährtin Eleonora Duse über das Libretto zum "Falstaff": "Wie traurig deine Komödie ist!" Was hat die Duse gemeint? Die Wiederaufnahme von Giuseppe Verdis letzter Oper zu den Münchner Opernfestspielen stellte, glanzvoll und nahezu makellos, wie sie war, sängerisch und schauspielerisch das Lustspielhafte des Stücks in den Vordergrund und damit solche Fragen zunächst hintan.

<P>Reines Vergnügen, große Künstler lustvoll am Werke zu sehen: die Alleskönnerin Marjana Lipovsek, die mit Wagner- und Strauss-erprobtem, dunkel-klarem Mezzo der Partie der Mrs. Quickly mediterrane Quirligkeit und hinreißende Komik verlieh. Ihr befeuerndes Alter Ego, der Falstaff von Ambrogio Maestri, baritonal schlank und beweglich bis hinauf ins Falsett, ohne altmännerhaftes Gepolter. Rebecca Evans' Nanetta mit ihren bezaubernd zarten Pianissimo-Spitzentönen auf "la luna".</P><P>Eike Gramss' Inszenierung auf der alle drei Akte dominierenden Rundscheibe von Gottfried Pilz blieb angenehm schnörkellos und ließ den Sängern Raum zur komödiantischen Entfaltung - lediglich die Quälereien Falstaffs im letzten Bild wirkten durch den Verzicht auf choreographierte Motorik statisch und kamen in seltsamen Widerspruch zu der quecksilbrigen Nervosität der Musik. Die wurde vom Bayerischen Staatsorchester unter Zubin Metha mit lichtem Elan realisiert. Größtenteils beglückend exakt in dieser Apotheose des Ensemblegesangs das Zusammenspiel von Orchester und Solisten, etwa im zweiten Bild des ersten Aktes. Hier gab Adrianne Pieczonkas Alice mit hellem, konzentriertem Sopran den Ton und die Impulse. </P><P>Rainer Trost war als Fenton trotz sicherer, kraftvoller Intonation keine Idealbesetzung - seinem maskulin-dunkel timbrierten Tenor fehlt die jünglingshafte Zartheit, die der Partie lyrischen Glanz verleihen würde. Angemessen scheint solch männliche Bedrohlichkeit eher Fentons Widersacher Ford; Lucio Gallo gebot souverän darüber und artikulierte so in Fords Eifersuchtsmonolog vor allem die aggressiv-beängstigenden Untertöne. </P><P>"Alles auf Erden ist Narretei": Erst in der atemlos dahinstürmenden Schluss-Fuge gewinnt diese Weisheit ihre doppelgesichtige Universalität - so heiter wie bitter. "Com' è` triste la tua commedia": Die Lage ist hoffnungslos, aber _ Gott sei Dank und für Augenblicke - nicht ernst.</P><P>Als Live-Übertragung kostenlos am Sonntag ab 19 Uhr auf dem Max-Josephs-Platz.<BR></P>

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