Rainhard Fendrich hat für seine Geburtstags-CD ausgerechnet Lieder nochmals aufgenommen, die nie zu Hits wurden.

Neuerscheinung

Aus dem Schatten

München - „Auf den zweiten Blick“: Rainhard Fendrich wird bald 60 und schenkt sich ein ganz spezielles Album.

Meist läuft es so: Ein erfolgreicher Musiker hat ein Jubiläum, und schon wird eine neue Platte herausgebracht, eine Best-Of-CD, auf der die größten Kracher und Gassenhauer ohne großen Aufwand hintereinander gepresst werden. Hohe Verkaufszahlen sind meist garantiert. Genau das wollte der österreichische Singer-Songwriter Rainhard Fendrich verhindern. Zu seinem 60. Geburtstag Ende Februar hat er ausgerechnet die Lieder nochmals aufgenommen, die nie zu Hits wurden. Herausgekommen ist das Album „Auf den zweiten Blick“, das jetzt erscheint und das trotz der alten Songs zeitgemäß, gewohnt nonchalant und teils beißend ironisch daherkommt.

Für die Jubiläumsplatte und seinen persönlichen Rückblick hat sich Fendrich alle seine Werke angehört und sie kritisch auf Aktualität überprüft. „Dabei sind mir ein paar Lieder aufgefallen, die damals im Schatten meiner Hits gestanden sind“, sagt der Sänger in München. „Diese Lieder hatten aber doch einen gewissen Inhalt, der die Zeit widerspiegelt, in der ich sie geschrieben habe und mit denen ich auch sentimental verbunden bin.“ 14 Lieder hat Fendrich ausgewählt. Sie handeln von Hochstaplern, Umweltproblemen, Depressionen, falschen Freunden und Männern. Bis auf wenige Ausnahmen stammen die Songs aus den 1980er-Jahren. „Es hat mich teilweise wirklich gewundert, was der damals 30- bis 35-jährige Fendrich im Kopf gehabt hat“, sagt Fendrich. Alle Lieder hat der Musiker neu aufgenommen. „Ich habe ja eine ganz andere Stimme als vor 25 Jahren. Ich wollte die Lieder mal mit erwachsenerer Stimme und mit meiner Band in einem ganz schlichten Arrangement nochmal machen.“

Vor allem die kräftigere Stimme und der teils noch breitere Wiener Schmäh prägen den Unterschied zu den Originalen. Teilweise hat Fendrich den Text leicht angepasst. So hat der „Negerant“ (der Hochstapler) seinen desolaten finanziellen Zustand in der neuen Version unter anderem der Hypo Alpe Adria zu verdanken. Statt zu einem „Glaserl Wein“ wird an anderer Stelle die Herzdame gleich zu einem „Stelldichein“ eingeladen. Ein komplett neuer Song hat es ebenfalls auf die Platte geschafft: „Der Christbaum“, der dann postwendend vom Autodach geklaut wird. Ist wirklich passiert, beteuert Fendrich. Man muss die Originale nicht kennen, um die Lieder zu mögen. Für den Fendrich-Sound oder Austro-Pop im Allgemeinen sollte man aber schon etwas übrig haben.

Auf Tour wird Fendrich mit dem neuen Projekt nicht gehen. „Ich habe in eineinhalb Jahren über 140 Konzerte gespielt und muss mich erstmal ein wenig erholen“, erklärt er. „Die nächste Tour wird es frühestens im Herbst 2016 geben.“ Und dann schafft es sicher auch das eine oder andere Lied aus dem Schatten der Hits auf die Live-Bühne.

Elena Koene

Rainhard Fendrich:

„Auf den zweiten Blick“ (Sony Music).

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