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Reinhard Mey war im Circus Krone zu Gast - und überzeugte.

Im Circus Krone

Reinhard-Mey-Konzert: Zum Schmunzeln - und Weinen

München - Nach dreijähriger Pause war Reinhard Mey zweimal im Circus Krone in München zu Gast. Dabei traf er genau den richtigen Ton und sorgte für stille, emotionale Abende.

Ein Mann, ja ein Männchen, eine Gitarre, ein Mikrofonständer und ein bisschen Licht – manchmal braucht es nicht viel für einen großartigen Abend. Gleich zwei davon erlebte München. Reinhard Mey war nach dreijähriger Pause am Mittwoch und am Donnerstag zu Gast im zweimal ausverkauften Circus Krone: „Da bin ich wieder.“

Wer den 71-jährigen Liedermacher zuletzt im Fernsehen erlebte, hatte fast den Eindruck, dass dieser Mann nach dem Tod seines lange im Wachkoma liegenden Sohnes Maximilian gebrochen sei. Doch das Gegenteil ist der Fall. Da stand mitten im Krone-Rund ein Mensch, der trauerte, aber gleichzeitig Lebensmut versprühte.

Ein echter Spielmann, der nach 50 Bühnen-Jahren immer noch Spaß an seinem Beruf hat. Ein Traumverkäufer. Ein wahrer Schelm. So wurden es stille, emotionale Abende. Teils zum Weinen („Dann mach’s gut“). Aber viel mehr zum Schmunzeln.

Reinhard Mey traf in seinen Liedern und zwischendurch genau den richtigen Ton – zwischen anklagender Sozialkritik und schwärmerischer Poesie, zwischen Ernsthaftigkeit und Ironie, zwischen so nachvollziehbarer Kindheitserinnerung und Opa-Sein. Sicher erzählt er seine Anekdoten zurzeit in jeder Stadt auf seiner Deutschlandtour.

Ein großartiger Abend

Aber er tat dies mit seiner sanft-rauen Stimme so liebevoll und herzerwärmend, dass jeder dachte, Mey erzähle sie nur ihm und hier. Durch eine Zeitschriften-Anzeige sei er auf das Gitarrespielen gekommen, verriet der Musiker etwa – und durch den Glauben, der Gitarrist kriege immer die schönsten Mädchen. Heute wisse er: „Das stimmt!“

Die spartanische Bühne ermöglichte eine völlige Konzentration auf Künstler und Songs. Immer wieder kokettierte der Berliner Barde mit seinem Alter. Immer wieder brachte er das eher reife Publikum zum Staunen, wie intelligent man über die banalsten Alltagsdinge wie „Das Taschentuch“ reimen kann – ein neues Lied. Und weil sein größter Hit von 1974 immer gut zu ihm gewesen sei, spielte er auch ihn: „Über den Wolken“.

Nach zwei Stunden und „Gute Nacht, Freunde“ ging der Künstler vor seinem Publikum auf die Knie, und die Zuschauer erhoben sich. Ein großartiger Abend. Und das Beste, so Reinhard Mey: „Mein Zenit kommt noch.“

Marco Mach

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