Von Max Reinhardt inspiriert

Salzburg - Auf den Plakaten zu Shakespeares "Sommernachtstraum", der letzten Schauspielpremiere der Salzburger Festspiele an diesem Samstag im Landestheater, sind neben den Darstellern zwei lebensgroße Kinderpuppen abgebildet: Puck und eine Elfe. Das ist nicht ganz ohne Bedeutung, ist Regisseur Christian Weise (34) doch von Haus aus Puppenspieler.

Ausgebildet wurde er an der Berliner Ernst-Busch- Schule mit ihren weiteren Sparten Schauspiel, Choreographie und Regie. Und weil alle dieselben Lehrer hatten, glaubt er auch nicht, dass er einen anders gearteten Zugang zu Stücken hat: "Der ist eher von der Ernst-Busch-Linie geprägt." Und die wäre? "Technik." Trotzdem ist es ziemlich ungewöhnlich, dass einer Puppenspieler wird, weil in seiner Heimatstadt Erfurt Mitte der 80er-Jahre eine Puppenbühne der zentrale Ort für Kultur war. Und dass er dann als Schauspielregisseur seinen Weg durch die Theater in Mannheim, Köln, Berlin, Zürich bis zu den Salzburger Festspielen macht. Doch bei Weise scheint sich das Genreübergreifende einfach fortgesetzt zu haben: "Wir wurden als eine durch Erfolg zusammengeschweißte Gruppe vom Berliner Maxim Gorki Theater ans Schauspiel Frankfurt geholt."

Mit William Forsythe wechselte er später ans Frankfurter TAT. Aus dieser Zeit kennt er den Choreographen Stephen Galloway, der neben weiteren sechs Tänzern in diesem "Sommernachtstraum" den Philostrat und einen indischen Knaben gibt. Hatte Weise zunächst auch selbst auf der Bühne gestanden, wechselte er doch bald ganz in die Regie: "Ich habe seither nicht mehr gespielt, auch nicht mit Puppen.

Das war eine Lebensentschei dung. Mir war klar, wenn ich es nicht ernsthaft mache, nimmt mich keiner ernst. Und größenwahnsinnig war ich auch genug", fügt er etwas verschämt hinzu. "Dann habe ich gespürt, es wird ernst. Ich musste dafür arbeiten. Es ist anders, als auf der Bühne zu stehen."

Das tun nun bei ihm Robert Hunger-Bühler und Corinna Kirchhoff in den Rollen von Theseus/Oberon und Hippolyta/ Titania, außerdem Mavie Hörbiger als Hermia und Michael Maertens als Zettel - neben den bereits erwähnten Tänzern und Puppen als Elfen. Wird man es also weniger mit "Sprechtheater" im engeren Sinn zu tun haben? "Die Idee war, verschiedene Sparten zusammenzuführen. Wir verwenden leicht gekürzt die Übersetzung von Jürgen Gosch. Es ist Sprechtheater wie Puppentheater übrigens auch. Und den Tanz wollen wir nicht für sich stehen, sondern in den Text einfließen lassen. Aber vor allem bringen wir die Feen als Feen auf die Bühne und nicht als eine Art Hausfrauen oder was auch immer."

Wenn Weise so über die Feenwelt spricht, denkt man unwillkürlich an Max Reinhardts legendären "Sommernachtstraum"- Film. Ist es schwierig, sich von so einer berühmten Aufführunsgeschichte zu lösen? "Das ist es, und wir haben gar nicht erst versucht, es zu tun", amüsiert sich Weise. "Wir hatten Lust zu zitieren, etwa die von uns so genannte ,Reinhardtsche Reihe der Elfen'. Reinhardt hat uns inspiriert. Vor allem entschieden wir uns, die Geisterwelt ernst zu nehmen. Man muss dem Stück nichts aufpfropfen, es hat etwas Elementares."

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