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Paul Auster.

Paul Austers Autobiografie

Reise durch den eigenen Körper

München - Der US-Schriftsteller Paul Auster hat seine Lebensgeschichte veröffentlich. Eine Biografie, die keine Biografie sein soll, sondern eine Geschichte seines eigenen Körpers.

An großen Weggabelungen, an den Lebensweichen wird es gefährlich für ihn. Da versagt der Kreislauf, da bricht der Körper zusammen. Paranoid könnte man das nennen oder Entscheidungsangst. „Dein Körper hat schon immer gewusst, was dein Kopf nicht weiß.“ Das Du ist der Autor: Paul Auster nimmt sich selbst als Held. Und eine Biografie soll das, typisch Auster, natürlich nicht sein. Er, der alljährlich mit diesen merkwürdigen, im Halbdunkel ihrer Existenz dahinlebenden Romanfiguren aufwartet, und dies in großartigen, extrem konzentrierten Geschichten, liefert nun die Geschichte seines eigenen Körpers.

Ein Sichbewusstmachen ist das. Ehrlich, direkt, etwas versponnen, auch komisch. Austers Großeltern waren osteuropäische Juden, seine Eltern bald geschieden. Seit 60 Jahren, gesteht der heute 64-Jährige, sei er verrückt nach Liebe. Schon im Kindergarten sei er versessen gewesen aufs Küssen. Und das Problem dabei war: Die Idealfrau habe er sich nur in seinen lebensfernen Gedanken konstruiert – bis die richtige kam, Siri Hustvedt, eine Kollegin.

Wie in Paul Austers „Normalbüchern“ werden Ebenen und Stilmittel raffiniert verschränkt. Einmal listet er alle seine 21 bisherigen Wohnsitze auf inklusive Adresse (und exklusive des aktuellen Hauses in Brooklyn) und erzählt dazu von den betreffenden Lebensabschnitten. Ein andermal druckt er die herrlich ironischen Protokolle, die seine Frau über Eigentümerversammlungen verfasst hat. Die Detailwut Austers äußert sich in nie anekdotenhaften Momentaufnahmen. Das Alltägliche wird zum Ereignis: Wie oft man sich wohl verschluckt hat? Die Hand zum Gruß ausgestreckt hat? Einen Fuß vor den anderen gesetzt hat? Ein Gemeinsamkeitszwinkern in Richtung Leser ist da zu spüren. Über weite Strecken ist dieses Buch auch Austers Liebeserkärung an seine Frau. Das ist berührend in seiner Offenheit. Eine solch uneitle Autobiografie ist der Ausnahmefall. Am Ende, deshalb auch der Titel, sinniert Auster darüber, dass er nun in den Winter seines Lebens eingetreten sei. „Eine Tür ist zugefallen. Eine andere Tür hat sich geöffnet.“ Hoffentlich die zu vielen wunderbaren weiteren Büchern.

Von Markus Thiel

Paul Auster:

„Winterjournal“. Aus dem amerikanischen Englisch von Werner Schmitz. Rowohlt Verlag, Reinbek, 256 Seiten; 19,95 Euro.

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