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Dressurreiterin Sylvie Willms schmust zärtlich mit ihren Araberhengsten.

Neue Show „Cavallo Classico“

Reitkunst der Spitzenklasse

München - Nach dem Fehlstart fiel sie nicht ganz aus, sondern doch noch in den Galopp. In einer Halle der Messe München-Riem hatte am Freitagabend die neue Pferdeshow „Cavallo Classico“ eine gelungene Premiere – mit Verspätung.

Der Sturm Xaver hatte in der Nacht auf den 6. Dezember das große Palastzelt zerstört (wir berichteten), in dem die Gala zusammen mit Orchester, Band und Sängern stattfinden sollte. Ein poetisches Spektakel für Menschen, die Pferde mögen. Auch wenn es die Veranstalter nicht mehr aus den roten Zahlen bringt – sie sind heilfroh über das Ersatzquartier. Die Messehalle hat nicht den Charme des Zeltes. Doch als es dunkel wird, das 30-köpfige Orchester zu spielen beginnt, versinkt die Umgebung um die rund 3300 Besucher. Zu Wagner-Klängen strömt eine Herde junger Pferde im Scheinwerferlicht in das Rechteck, die Tiere „gleiten“ leicht über den Sand, halten inne, äugen mit gespitzten Ohren in die Zuschauerränge.

Das Pferd im Mittelpunkt – wie ein roter Faden zieht sich das durch die Show. Tänzerinnen ergänzen das Szenario; die Herde setzt sich in Bewegung, „fließt“ zwischen den Frauen hin und her, ein anmutiges Bild. Es ist eine erste Erklärung dafür, was Menschen an Pferden fasziniert. Eine Faszination mit vielen Facetten. Sie spiegeln sich wider in der Show: etwa als Friesenpferde zu Rockmusik ihre Kraft entfalten. Oder als Sylvie Willms zwei Araberhengste bei einer Freiheitsdressur durch die Halle wirbeln lässt. Als das Voltigierteam Ingelsberg Akrobatik auf dem galoppierenden Pferd zeigt, die Hengste des Haupt- und Landgestüts Schwaiganger bei einer Quadrille durch die Halle schweben. „Cavallo Classico“ erzählt vor allem davon, dass ohne Vertrauen die magische Verbindung zwischen Mensch und Pferd nicht möglich wäre. Zwei Springreiter, einer davon Matthias Mock, machen es vor – in einem ungewöhnlichen Parcours. Unbeeindruckt setzen ihre Pferde über Hindernisse aus Stoffbändern, die von Tänzern bewegt werden. Gelassen bleiben auch die Pferde der Equipe um Manolo Oliva und des Stuntreiters Roland Heiss, die bei einer Garrocha-Nummer keine Scheu vor Flammen zeigen und für ihre Reiter buchstäblich durchs Feuer gehen.

Das Glück liegt nicht nur auf dem Rücken der Pferde. Sondern auch dahinter. Acht von je zwei Fjordpferden gezogene Kutschen pflügen in die Bahn. Absolute Präzision ist gefragt bei der rasanten, mitreißenden Quadrille vom Wilhelm Wörner und der Interessengemeinschaft Fjordpferd (IGF). Präzision bietet auch Ulla Salzgeber, eine der erfolgreichsten Dressurreiterinnen Deutschlands, die zusammen mit Nachwuchsreiterinnen einen Querschnitt ihrer Disziplin zeigt. Sehenswert ebenfalls die Westernreiter und spanischen Vaqueros, die aus der Arbeit mit Rindern entwickelte Formen des Dressurreitens vorführen.

Robert Wagner und Bernhard Graf von Ballestrem, die früheren Macher von „Apassionata“ sind alte Hasen. Mit „Cavallo Classico“ und 100 Pferden sind sie zu den Wurzeln zurückgekehrt. Die neue Show präsentiert Reitkunst der Spitzenklasse, setzt Pferde in Szene, ohne in den Kitsch abzugleiten. Neu auch, dass die Musik nicht vom Band kommt. Eine Herausforderung für den Dirigenten Petko Dimitrov und das New Symphony Orchestra of Sofia. Tempo und Dauer der Darbietungen geben die Pferde vor, die Musiker müssen sich darauf einstellen.

Nicht alles gelingt perfekt. Die Schimmel Lorenzos, „The Flying Frenchman“, sind sich mal nicht einig. Das tut der Nummer keinen Abbruch; es ist großartig, wie er nur mit Stimme, Berührungen und Gesten seine Lusitanos dirigiert. Es ist diese Mischung, die „Cavallo Classico“ ausmacht. Ruhigere Momente wechseln mit spektakulären. Klassische Reiterei mit atemberaubender Akrobatik. So wie bei den Stuntreitern „Les fils du vent“. In Wrestling-Kostümen preschen sie in die Bahn, zeigen Tricks auf, neben und unter dem Pferd. Zum Nachmachen nicht geeignet. Doch am Ende ist klar: Pferde verleihen Flügel.

Brigitta Wenninger

Weitere Vorstellungen

heute, 19 Uhr, und am 31. Dezember, 15 und 19 Uhr; Karten: 089/ 54 81 81 81.

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