Der Renner der Saison

- Nix Ahlbeck, wo's Ostsee-typisch nach Tang und Fisch muffelt. Nix Müggelsee, dessen anliegender Gebirgszug kaum die 150-Meter-Marke streift. Das Glück vor der Tür liegt doch einzig am Wolfgangsee, wo schöne Sigismunde logieren und es was Wunderbares sein muss, wenn die ganze Welt himmelblau ist.

<P>Da streckt sogar Herr Giesecke, Fabrikant, wohnhaft Leipziger Straße/ Berlin, nach drei Stunden Charme-Offensive die Waffen. Wobei die Treffer-Serie der Pasinger Fabrik ja schon etwas Beängstigendes hat.</P><P>Denn Vorsicht Gärtner- und Max-Joseph-Platz: Auch "Im Weißen Rössl", angerichtet von Ronald Pries (Regie), Carlos Dominguez-Nieto (Dirigent) und Alexander Krampe (Arrangement), hat das Zeug zur Kult-Aufführung, liefert also etwas, wofür sich große Häuser zu schade scheinen, was sie auch in ihrer gewichtigen Etabliertheit gar nicht leisten können.</P><P>Den Pasingern hilft eines: Ralph Benatzkys Singspiel-Hit um Wirtin Josepha Vogelhuber und ihren ewig unerhörten Anbeter und Angestellten, Zahlkellner Leopold, hat von Natur aus satirische Züge. Entsprechend überdreht - in der Premiere fast eine Umdrehung zu viel - rollt das hochgradig operettenlaunige Team die Geschichte auf, bezieht dabei die Zuhörer ein. Die sind hautnah dabei, sitzen auf Rängen, aber eben auch an kleinen Tischen als Rössl-Gäste und blicken auf großformatige Postkarten, die den Wolfgangsee in seiner kitschigen Vollendung offenbaren.</P><P>Eine simple, wirkungsvolle Szenerie (Eva Lüps), die mit spartanischen Requisiten auskommt und mit Laubsäge-Ambiente kabarettistische Stimmung verbreitet. Getragen wird die Aufführung von einem starken, ausfallfreien Ensemble, das exzellent singt und noch besser spielt. Stellvertretend seien hier genannt: Anne Bredow als kühl-zickige, hörbar aus Piefke-Land importierte Wirtin, Michael Braun als liebestoll-tapsiger Leopold, Natur-Komödiant Stefan Kastner als glatzköpfiger Frauenversteher Sigismund oder Markus Durst (Dr. Siedler), dessen sämiger Tenor für den rechten Operettensound sorgt.</P><P>Eigentlicher Clou aber: Alexander Krampe hat Benatzkys Schlager ein jazzig aufgehübschtes Gewand verpasst, das glänzende Instrumental-Oktett unter Carlos Dominguez-Nieto lässt es also lässig swingen - und die Originalpartitur keine Sekunde vermissen. Auch wenn die Aufführung im letzten Drittel Kürzungen vertragen würde, auch wenn sich der selbstverliebte Witz mancher Solisten noch abschleifen wird: Das ist nicht der Zauber, das ist der Renner der Saison.</P><P>Jeweils Mi., Fr., Sa. u. So., Tel. 089/ 82 92 90 79</P>

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