Mit dem Repertoire haushalten

- Unter dem Motto "Klassik am Odeonsplatz" locken auch heuer wieder das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (mit Dirigent Esa-Pekka Salonen) am kommenden Samstag und die Münchner Philharmoniker tags darauf (mit Andrey Boreyko) zu lauen Sommernächten ins Freie. Beginn ist jeweils um 21 Uhr. Beide Ensembles haben sich solistische Mitstreiter ausgesucht: die Philharmoniker die Pianistin Hélène Grimaud und die BR-Symphoniker den Geiger Frank Peter Zimmermann.

Sie sind in München ein gern gesehener Gast, haben hier zuletzt Anfang des Jahres große Erfolge mit Mozart im Prinzregententheater gefeiert. Jetzt wagen Sie sich unter freien Himmel.

Frank Peter Zimmermann: Das habe ich schon öfter getan. In den USA ist das im Sommer üblich. Dort habe ich in Hollywood, in Cleveland, Los Angeles und beim Tanglewood Festival bei Open-Air-Konzerten mitgemacht. Und ich war auch schon zu Gast auf der Berliner Waldbühne mit 24 000 Zuhörern.

Birgt so etwas nicht gerade für Ihr Instrument ein akustisches Risiko, zumal Sie jetzt in München keinen Reißer, sondern Mozarts viertes Violinkonzert spielen werden?

Zimmermann: Das Wichtigste ist bei einem Freiluft-Konzert die Stimmung. Und es ist für mich etwas Wunderbares, wenn mir so viele Menschen zuhören und zujubeln. Da muss man auch als Solist die Atmosphäre genießen und nicht jede Note auf die Goldwaage legen.

Sie sind, anders als im Saal, auf technische Verstärkung angewiesen.

Zimmermann: In São Paolo habe ich mich beim Konzert einmal doppelt gehört. Aber hier in München vertraue ich auf die Fachleute vom BR.

Wahr Mozart Ihre Wahl?

Zimmermann: Ich spiele zwei Tage zuvor mit dem BR-Symphonieorchester ebenfalls unter der Leitung von Esa- Pekka Salonen an zwei Abenden das Violinkonzert von Strawinsky. Als man mich zum Open-Air-Konzert überredete, habe ich Mozart vorgeschlagen, weil ich mich in diesem Jahr besonders viel mit ihm beschäftige. Ein Solist muss mit seinem Repertoire haushalten und aufpassen, dass er nicht ausbrennt.

Sie bieten also nicht jede Saison das ganze Spektrum an?

Zimmermann: Ich lege mein Repertoire zwei, drei Jahre im Vorhinein fest. Man muss sich konzentrieren, zum Beispiel kleine Serien von Stücken zusammenstellen und die Werke dann auch wieder für einige Zeit weglegen können. Nur so kann eine Interpretation wachsen und sich entwickeln.

Sie sind viel beschäftigt mit den großen Violinkonzerten von Mozart, Beethoven, Mendelssohn. Bleibt da noch Zeit für Kammermusik?

Zimmermann: Als deutscher Geiger wird man mit diesen Komponisten besonders identifiziert. Die Kammermusik kommt leider zu kurz. Da habe ich Riesenlöcher und müsste Monate Zeit haben. Mit Heinrich Schiff und Christian Zacharias will ich Schubert-Trios spielen. Dafür nehmen wir uns drei bis vier Jahre Zeit.

Wie wäre es mit einem kleinen eigenen Festival oder der bei einigen Ihrer Kollegen beliebten Kombination à` la "Zimmermann and friends"?

Zimmermann: Ich bin eher ein Einzelgänger. Manchmal bin auch wirklich einsam, zumal meine Frau nicht mehr mitreisen kann, weil wir drei Söhne haben.

Gibt es weitere Pläne für München?

Zimmermann: Ja. 2007 werde ich mit den Philharmonikern ein Violinkonzert von Brett Dean uraufführen und in der Saison 2007/08 auch wieder einen Sonatenabend geben.

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