Requiem mit Texten aus dem KZ

- Kirchenmusik mal ganz anders, so will Candida Kirchhoff das Konzert am Sonntag um 17 Uhr mit ihrem Chor in der Erlöserkirche gestalten (Germaniastraße 4; Karten: 089/ 54 81 81 81). Aus Anlass des Kriegsendes vor 60 Jahren führt die Kirchenmusikdirektorin das "Requiem für einen polnischen Jungen" von Dietrich Lohff auf, dessen Thema der Holocaust ist. Die Solopartien übernehmen Ann-Katrin Naidu und zwei Regensburger Domspatzen.

<P>Was ist das Besondere am Stück von Lohff?<BR><BR>Kirchhoff: Die Texte stammen alle von KZ-Häftlingen. Einige sind im Lager entstanden, andere später. Bei den Autoren handelt es sich aber nicht um Schriftsteller, sondern um ganz "normale" Menschen. <BR><BR>Wie hat der Komponist diese Texte zu einem Requiem zusammengefügt?<BR><BR>Kirchhoff: Lohff wollte möglichst einfache und schlichte Musik. Er will den Tod eines kleinen Jungen nicht laut instrumentieren. Die Orchesterbesetzung ist ungewöhnlich: nur tiefe Streicher und Bläser, dazu zwei Schlagzeuger und die Orgel. Der Komponist wird zum Konzert kommen und eine Einführung sprechen.<BR><BR>Und wie war die Reaktion des Chors auf das Werk?<BR><BR>Kirchhoff: Der kennt mich, wir haben schon öfter ausgefallene Kompositionen gemacht. Die Sänger waren froh, dass es eine einfachere moderne Arbeit ist. Allerdings sind ein, zwei Leute wegen des belastendenden Themas ausgestiegen. <BR><BR>Passt das Stück in den kirchlichen Rahmen?<BR><BR>Kirchhoff: Der einzige Zusammenhang mit Kirche ist die Form. Die einzelnen Teile tragen Requiem-typische Bezeichnungen wie Agnus Dei, Kyrie oder Dies Irae. Der Inhalt ist aber nicht kirchlich oder geistlich. Trotzdem kommt Gott vor. Ich denke, diese Musik muss allein stehen, wenn sie auch nur circa 60 Minuten lang ist. Sie ist so "rund", dass nichts dazu gespielt werden muss.<BR><BR>Das Zuhören geht sicherlich nahe...<BR><BR>Kirchhoff: Das Requiem ist eine Herausforderung für den Zuhörer, er muss es emotional verkraften. Ich kann mir vorstellen, dass viele zu weinen anfangen. Das Interessante ist aber die Auseinandersetzung mit dem Thema Holocaust auf musikalischer Ebene. Das Werk ist richtig gut, und ich bin froh, dass wir die Münchner Erstaufführung machen dürfen. </P><P>Das Gespräch führte Karolina Schneider</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Diesem Debüt hat die Opernwelt entgegengefiebert: Jonas Kaufmann singt in London erstmals die Titelrolle von Verdis „Otello“. So ganz passt die Partie nicht zu ihm.
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Glut in der Zwiebel
Zum Auftakt des Münchner Filmfests wird der erste Dokumentarfilm über Bud Spencer uraufgeführt.
Glut in der Zwiebel
Don Giovannis Affären: „Frauen wollen das“
Man kann ihn als verrucht und verdorben abtun, man kann allerdings auch die Schuld ein Stück weit bei den Opfern Don Giovannis suchen - so wie es Regisseur Herbert …
Don Giovannis Affären: „Frauen wollen das“

Kommentare