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Martin Kusej

"Wer ruft, muss sehr laut rufen"

Residenztheater: Neue Spielzeit vorgestellt

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München - Martin Kusej stellt die neue Spielzeit am Residenztheater vor. Ein Wechsel an die Burg steht (vorerst) nicht zur Debatte.

Hätte man am Donnerstag im Münchner Residenztheater mitgezählt, welche Wörter Intendant Martin Kusej am häufigsten während dieser Pressekonferenz verwendet hat, würden „Dank“, „Lob“ und „Stolz“ ganz oben auf der Liste stehen. Es läuft schließlich gut für das Haus in Kusejs dritter Spielzeit als Intendant: Gerade hat das Residenztheater mit „Zement“, der letzten Regiearbeit des verstorbenen Dimiter Gotscheff, das Theatertreffen in Berlin eröffnet (wir berichteten). Zu dieser Leistungsschau aller deutschsprachigen Bühnen wurde das Resi auch mit der Castorf-Inszenierung „Reise ans Ende der Nacht“ eingeladen. Zudem eröffneten die Münchner mit „Sturm“ gerade die Ruhrfestspiele in Recklinghausen. Auch mit der Resonanz des Publikums ist Kusej zufrieden: Die Auslastung der aktuellen Spielzeit liegt bei 78,2 Prozent; die Abonnentenzahlen sind sogar leicht gestiegen. „Uns geht’s verdammt gut“, fasst Pressesprecherin Sabine Rüter zusammen.

Klar, dass Kusej in dieser komfortablen Situation („Wir haben hier richtig fett was geschafft. Wer auch immer ruft, muss sehr laut rufen.“) von einem möglichen Wechsel ans Wiener Burgtheater nichts wissen will. Zumindest vorerst nicht. Er wünsche der Burg, dass sie sich „kreativ wiederfinden und den gigantischen Schuldenberg abbauen kann“, erklärte der Kärntner. „Wenn der abgebaut ist, dann höre ich auch wieder hin, wenn jemand ruft. Denn hören kann man ja mal.“ Bislang habe es aber kein Angebot gegeben. Kusejs Münchner Vertrag läuft bis Ende August 2016.

Für die Spielzeit 2014/15 am Residenztheater plant der Intendant drei Schwerpunkte. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit den „Wirklichkeitsflüchtigen der Literatur“ – mit Peer Gynt, Madame Bovary (wie berichtet adaptiert Albert Ostermaier Flauberts Roman für die Bühne), mit Baal, Torquato Tasso sowie mit George und Martha aus „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“. Edward Albees Stück in der Inszenierung des Hausherrn eröffnet die Saison. Ein weiterer Fokus liegt auf bayerischer Literatur, die um den Ersten Weltkrieg entstanden ist. Regisseur Robert Gerloff etwa bearbeitet Oskar Maria Grafs Roman „Wir sind Gefangene“; Herbert Fritsch inszeniert „Ein Karl“, eine komische Oper, inspiriert von Karl Valentin. Allein das garantiere, dass dieser Schwerpunkt nicht zur „historischen Volkshochschule“ verkomme, versprach Kusej. Letzte Säule seines Spielplans: internationale Kooperationen, etwa mit der Tanztheatercompagnie Peeping Tom.

Die Premieren der Spielzeit 2014/15

RESIDENZTHEATER

„Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ von Edward Albee;
Regie: Martin Ku(s)ej (Premiere: 18. September)

„Die Irrfahrten des Odysseus“ nach Homer (Junges Resi);
Regie: Corinna von Rad (Premiere: 18. Oktober)

„Peer Gynt“ von Henrik Ibsen;
Regie: David Bösch (Premiere: 15. November)

„Baal“ von Bertolt Brecht;
Regie: Frank Castorf (Premiere: 15. Januar 2015)

„Drei Schwestern“ von Anton Tschechow;
Regie: Tina Lanik (Premiere: 12. Februar 2015)

„Torquato Tasso“ von Johann Wolfgang Goethe;
Regie: Philipp Preuss (Premiere: 7. März 2015)

„Einer muss der Dumme sein“ von Georges Feydeau;
Regie: Martin Ku(s)ej (Premiere: 21. Mai 2015)

„Antonius und Cleopatra“ von William Shakespeare;
Regie: Thomas Dannemann (Premiere: 12. Juni 2015)

„Ein Karl“, eine komische Oper, inspiriert von Karl Valentin;
Regie: Herbert Fritsch (Premiere: 3. Juli 2015)

CUVILLIÉSTHEATER

„Hoppla, wir leben!“ von Ernst Toller;
Regie: Anne Lenk (Premiere: 9. Oktober)

„Gefährliche Liebschaften“ von Christopher Hampton;
Regie: Katrine Wiedemann (Premiere: 17. Januar 2015)

MARSTALL

„Wir sind Gefangene“ nach Oskar Maria Graf;
Regie: Robert Gerloff (Premiere: 28. September)

„Madame Bovary“ nach Gustave Flaubert;
Regie: Mateja Kolenik (Premiere: 21. November)

„Der Stein“ von Marius von Mayenburg;
Regie: Sarantos Zervoulakos (Premiere: 18. Dezember)

„Luftkrieg“ von Milo Rau (Premiere: 24. April 2015)

„Panic Room“ (AT) von Oliver Frljic (22. Mai 2015)

Von Michael Schleicher

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