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In zwei strammen Probenwochen erarbeiteten die Jugendlichen das Projekt „München – Da bin ich“.

Residenztheater

Theater macht stark

München - Junge Flüchtlinge und Jugendliche nichtdeutscher Herkunft proben derzeit für ein Projekt im Münchner Marstall.

Wenn die Tür zum Probenraum schließt, bleiben Handys, Sorgen und Gedanken an die Schule draußen. Das hat Teresa Rotemberg gleich zu Beginn klargestellt. Sie gehört zum Regie-Team des Theaterprojektes „München – Da bin ich“ und weiß, dass hier das Wichtigste klare Spielregeln sind. Denn dieses Projekt ist anders als alle anderen Produktionen des Residenztheaters: Die Darsteller sind junge Flüchtlinge und Jugendliche nicht-deutscher Herkunft, die teilweise überhaupt nicht, manche ein wenig, andere gut Deutsch sprechen.

Im Rahmen der vom Bundesinnenministerium geförderten Initiative „Kultur macht stark“ sollen sie bei diesem besonderen Theater die Möglichkeit haben, neue künstlerische Ausdrucksmittel kennenzulernen, sich auszuprobieren, zu experimentieren. Doch vor allem: gemeinsam etwas zu erarbeiten, das dann auf großer Bühne vor Publikum gespielt wird.

Vorbereitungen für den großen Auftritt: Nicht nur die Texte sollen sitzen, auch die Maske muss stimmen.

Beim ersten Besuch im Marstall, wo sie morgen Abend Premiere feiern, waren ein paar nicht besonders beeindruckt von der Größe. „Das ist ja eine total kleine Bühne“, habe da einer gesagt, erinnert sich Anja Sczilinski, künstlerische Leiterin des Projekts. Na ja, so einfach sei das nun auch nicht, auf dieser Bühne zu spielen, schließlich müsse auch der Zuschauer in der hintersten Reihe alles mitbekommen, wandte sie ein. Die lapidare Antwort: „Dafür gibt’s doch Mikros!“

Die Theaterwelt ist Burschen und Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren völlig fremd. „Wir haben den Kreisjugendring und das Salesianum, eine Einrichtung für unbegleitete Flüchtlinge, angeschrieben und alle Jugendlichen eingeladen mitzumachen“, erzählt Dramaturgin Christina Hommel. Über 30 Interessenten meldeten sich an – vermutlich ohne recht vor Augen zu haben, worauf sie sich einließen: zwei stramme Probenwochen, jeden Nachmittag außer sonntags, neben Schule und Hausaufgaben. Auf Fußballtraining verzichten. Keine Treffen mit Freunden, sondern üben, üben, üben. „Das war am Anfang sehr chaotisch, es gab große Konflikte. Sie mussten erst einmal verstehen, wie die Proben ablaufen werden. Und dass beim Stück nicht der Einzelne im Vordergrund steht, sondern das Ensemble“, erzählt Teresa Rotemberg, die die Tanz- und Schauspielgruppe leitet. Daneben gibt es zwei weitere Teams: eine Schauspielgruppe, in der Sandy Lopicic mit den Flüchtlingen arbeitet, und eine dritte gemischte Gruppe, die sich maskenbildnerisch mit dem Thema „München – Da bin ich“ auseinandersetzt.

In der Tanz- und Schauspielgruppe von Teresa Rotemberg sind Jugendliche, die seit längerer Zeit in der Stadt leben. Rotemberg hat ihnen am Anfang Fragen gestellt: woher sie kommen, was sie werden wollen, was ihnen an München gefällt. Ihre Antworten stehen auf karteikartengroßen Zetteln, jeder darf seinen Text dem Publikum vortragen.

Mariatu Mansaray und Anid Abazi sind sich sicher: „Diese Chance bekommt man nur einmal.“

Bei den täglichen Proben in der Mohr-Villa in Freimann ist das gar nicht so einfach. Obwohl es doch ihre eigenen Gedanken sind, werden sie dadurch, dass sie nun auf einem Zettel stehen, zu Texten, die auswendig gelernt werden müssen. Da stolpert der ein oder andere beim Vortragen. „Ich will Polizist oder äh... Privatdetektiv werden“, sagt einer noch etwas unsicher. Die Regisseurin bestärkt ihn: „Genau! Sag’ das überzeugt, du willst Polizist oder Privatdetektiv werden.“ Die Mitspieler stehen still am Rand des Probenraums, schauen zu, was die, die gerade am Zuge sind, vorführen. Und fallen mit ins Spiel ein, wenn sie ihren Einsatz bekommen.

„Vor zwei Wochen war das noch undenkbar“, erinnert sich Anja Scziliniski. Anid, der 15-Jährige, der erst vor zweieinhalb Jahren aus dem Kosovo kam und schon fließend Deutsch spricht, weiß, woran es liegt: „Teresa ist ziemlich streng und sagt einem genau, was man machen soll. Das macht Spaß, weil wir ganz viel lernen.“ Dass die Aktion bald endet, darüber denken er und seine Freunde nicht nach. „Wir richten unseren Blick erst einmal auf die Premiere“, sagt auch Sczilinski. „Aber einen Nachantrag für ein weiteres Theaterprojekt haben wir schon im Hinterkopf.“ Jetzt geht es nach den Proben in den einzelnen Gruppen erst einmal darum, auf der Bühne zusammenzuwirken. Mariatu, deren Familie aus Sierra Leone kommt, freut sich schon. Die Zwölfjährige, deren Lieblingsort in München das Elefantengehege in Hellabrunn ist („Die sind so groß und stark“), wollte unbedingt mitmachen. Denn: „Das ist eine Chance, die man nur einmal im Leben bekommt.“

Aufführungen am 18., 19., 21. und 26. März;

Telefon: 089/ 2185-1940.

Katja Kraft

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