Respekt vor dem Fremden

- Aus den Trümmern des Krieges heraus erwuchs unter seiner Assistenz und Leitung das Münchner Völkerkundemuseum als international einzigartiges Haus für die bildenden Künste anderer Erdteile. "Ich habe versucht, als Kunsthistoriker Ethnologe zu sein", bekannte er, nachdem er sich 1977 nach 20 Jahren des Direktorats verabschiedet hatte. Der Wandel des Hauses nach der Wittelsbacher Ausstellung von 1980 geschah nicht mehr in seiner Verantwortung. Andreas Lommel, Sohn eines Münchner Bildhauers, Spezialist für Ostasien, die Südseevölker und Australien, starb im Alter von 92 Jahren.

Als das Museum ihn zum 90. würdigte, wurden einige der Kopien großer Felsbilder gezeigt, die seine Frau Katharina in Australien bei zwei langen gemeinsamen Expeditionen gemalt hatte. Im Museum war sie (außerhalb des Stellenplans) seine unbezahlte Assistentin gewesen. Mit der Übernahme von 52 bedeutenden indischen Bronzen der Münchner Sammlung Gedon endete 1977 die Ära Lommel.<BR><BR>Als Schüler und Assistent des Frankfurter Kulturmorphologen Leo Frobenius sah er die Kunst fremder Völker von ihren Frühformen her als gleichrangig neben dem, was Europa hervorbrachte. Dass die jüngeren Generationen seines Fachs immer mehr zur Soziologie und ins Didaktische abdrifteten, beobachtete er mit tiefem Bedauern. Dabei ist, was er selber zu den frühen Schamanenkulturen und zur Entstehung der Höhlenmalerei schrieb, zu Rausch und Realität, immer noch weithin unbekannt. Sein Anliegen war, den Völkern der so genannten Dritten Welt zur Begegnung mit ihrer eigenen Kunst zu verhelfen, um verlorene Identitäten zurückzugewinnen.<BR>

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