Rettender Engel Stadtsparkasse

- Gerettet? Oder die Auflösung nur aufgeschoben? Auf jeden Fall existieren die Münchner Symphoniker, denen bis vor kurzem noch das Aus drohte, weiter. Möglich wurde dies durch eine großzügige Zuwendung der Stadtsparkasse München. Bereits für 2004 überwies das Institut 50 000 Euro, für 2005 wurde nun ein Sponsorvertrag über die zehnfache Summe geschlossen: Mit 500 000 Euro bleibt das Orchester der Kulturszene erhalten. Vorerst.

<P>Zuletzt bekamen die Symphoniker von der Stadt 1,4 Millionen Euro jährlich. Der Zuschuss wurde bekanntlich aus Spargründen gekippt: Während etwa Biennale oder Kammerorchester weitgehend ungeschoren blieben, blicken die Münchner Symphoniker nach einem Stadtratsvotum in die Röhre _ ihre Finanzposition bleibt im kommunalen Haushalt, dort freilich mit "0 Euro" ausgewiesen.</P><P>Abwicklung gestoppt</P><P>Auf Initiative von Oberbürgermeister Christian Ude wurde die Stadtsparkasse ins Boot geholt. Zur größten Freude von Orchesterintendant Anselm Rose und Chefdirigent Heiko Mathias Förster, auch wenn zwischen dem früheren Engagement der Stadt und dem jetzigen der Stadtsparkasse noch ein Finanzloch von 900 000 Euro klafft. "Wir hoffen nun auf ein mehrjähriges Engagement der Stadtsparkasse", sagt Rose.</P><P>Zwar erwirtschaften die Symphoniker Eigeneinnahmen von 1,2 Millionen Euro pro Jahr, zwar bleibt der Freistaat dem Ensemble mit einer Zuwendung von 1,7 Millionen treu, zwar haben die Musiker schon Gehaltsverzicht angeboten, doch reichen alle diese Summen längst nicht aus, um das 60-köpfige Orchester am Leben zu erhalten.</P><P>Immerhin handelt es sich hier um eine der meistgefragten Kultureinrichtungen Bayerns. Über 90 Prozent Platzauslastung, rund 100 Konzerte pro Jahr (von denen rund 70 in Bayern stattfinden), dazu ein Dirigent, der das Orchester an vielen Abenden auf Augenhöhe mit der hiesigen Konkurrenz musizieren lässt _ eine Abwicklung der Symphoniker wäre mehr als fatal.</P><P>Und ganz so rosig sieht die nächste Zukunft, trotz Sparkassen-Spende, nicht aus, darauf weist Heiko Mathias Förster hin. Aus finanziellen Gründen können nämlich freie Planstellen nicht besetzt werden. Ab 2005 schrumpft das Orchester damit auf 51 Musiker, große romantische Literatur kann demnach nur mit Zusatzkräften aufgeführt werden - was wiederum Geld kostet.</P><P>"Darüber müssen wir dann mit den jeweiligen Veranstaltern reden", so Intendant Rose. "Wer also Großes von uns haben will, muss eventuell etwas mehr dafür zahlen." Und das in einer Zeit, in der das Orchester unter dem Namen "Munich Pops Symphony" zum Beispiel auf Filmmusik setzt, die eine dementsprechende Besetzung erfordert. Eine Zwickmühle: Derartige Programme sind ungemein populär, locken breite Publikumsschichten, sind aber kostspieliger.</P><P>Auf jeden Fall bleiben die Münchner Symphoniker äußerst gefragt. Tourneen nach Spanien, England, USA und Japan stehen vor der Tür, CDs mit Mozart-Klavierkonzerten werden demnächst eingespielt. Und die kommende Saison, in die auch ein Beethoven-Zyklus integriert wird, lockt mit dem Motto "Alles Theater". Dafür, dass beim Orchester nicht der Vorhang fällt, ist also die Stadtsparkasse verantwortlich. Anselm Rose: "Das Thema Sponsoring ist damit im Falle der Symphoniker wieder positiv besetzt. Wir sind offen für jeden, der es der Stadtsparkasse gleichtun möchte."</P>Infos zum Programm unter www.muenchner-symphoniker.de oder Tel. 089/ 936093.

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