Rettung für Paradisi Gloria?

- "Da haben wir mit ,Paradisi Gloria etwas, was es nirgendwo sonst gibt. Aber weil diese Reihe einmalig ist, muss man sie doch nicht abschaffen! Im Gegenteil, deshalb sollte man stolz darauf sein und sie hegen und pflegen." Albert Scharf schüttelt den Kopf. Er war Intendant des Bayerischen Rundfunks, als die Konzertreihe mit zeitgenössischer geistlicher Musik zum Heiligen Jahr 2000 ins Leben gerufen wurde. Zusammen mit seinem damaligen Hörfunkchef, Thomas Gruber, half er, Marcello Viottis "Kind" zum Laufen zu bringen. Dass es ein "Renner" - die Visitenkarte des Münchner Rundfunkorchesters, jetzt sogar mit erster CD (Stabat Mater) des Labels Edition Günter Hänssler - würde, ahnte damals noch niemand.

<P>"Ich möchte nicht, dass der BR diese Reihe anrührt."<BR>Marcello Viotti</P><P>Nun, im fünften Jahr, kann Viotti als musikalischer Chef und künstlerisch Verantwortlicher mit Fug und Recht wettern: "Ich möchte nicht, dass der BR diese Reihe anrührt." Auch vom derzeitigen Intendanten Thomas Gruber kommen positive Signale: Er will die Reihe retten. Dennoch dachte er (wir berichteten) aus Einsparungsgründen laut über Reduzierung und Streichung von "Paradisi Gloria" sowie über eine Zusammenlegung von Rundfunkorchester und BR-Symphonikern nach. Offenbar, weil die Politik es so will . . .</P><P>Ihr Scherflein zur Rettung beitragen möchte auch die Kirche, die als Gesprächspartner von Anfang an mit dabei war. Die Erzdiözese übernimmt die Mietkosten in Höhe von 13 000 Euro, die heuer für die fünf Konzerte in St. Michael (1.) und in der Herz-Jesu-Kirche (2.- 5.) anfallen. Und, so versicherte Prälat Blöckl, sie will weitere Beteiligungen "wohlwollend" prüfen. "Denn ,Paradisi Gloria beweist, dass unsere Zeit eine religiöse Sprache hat, die es verdient, gehört zu werden. - Der Glaube lässt uns hoffen", so der Prälat.</P><P>Zuversicht verbreitet auch Gernot Rehrl, der Geschäftsführer des Rundfunkorchesters. Er erläutert, dass bereits im Vorjahr die Kosten für die Reihe um 30 Prozent reduziert wurden. Mit Nachdruck verweist er auf den kulturellen Auftrag des Bayerischen Rundfunks und betont: "Unsere Inhalte stehen dafür." Obwohl Rehrl weiß, dass in einer Gesamtkostenrechnung "Paradisi Gloria" bescheiden abschneidet - einfach weil nur 450 Zuhörer in die Herz-Jesu-Kirche passen - gibt er zu bedenken: "Das Orchester hat ein hervorragendes Haushaltsjahr abgeschlossen, und die Kosten für das Rundfunkorchester betragen nur ein Prozent des Gesamthaushaltes des BR." </P><P>Heuer präsentiert sich die am Freitag in St. Michael startende Reihe leicht verändert: Bereits um 19.30 Uhr eröffnet jeweils ein Dialog zwischenScharf und Persönlichkeiten wie Walter Jens, Abtprimas Notker Wolf OSB, Thüringens Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski, Heiner Geißler (CDU) und der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Manfred Kock, den Konzertabend.</P>

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