Von Revolutionen und Revoluzzern

- Das ist der Beginn vom Ende. Anders als uns der Titel des jüngsten Projekts der Münchner Kammerspiele im Neuen Haus verkündet - "Wir werden siegen! Und das ist erst der Anfang" -, zeigt das Uraufführungsunternehmen von Musiker Peter Licht immer nur den Schluss, das traurige Finale versuchter Revolution oder auch nur Revoluzzertums. Zu diesem Zwecke werden schöne Lieder gut gesungen, mehr oder weniger brauchbare Texte bunt gemischt, selbst gedrehte Videos und klassische Filmschnipsel miteinander arrangiert.

Und das alles wird live unterlegt mit einem satten Klangteppich. In dieses mal alberne, mal witzige Potpourri setzt Regisseurin Christiane Pohle drei Monologe, sehr unterschiedlich in der Qualität des Textes, wer hier auch immer der Autor sein mag. Als Klammer für alles: allgemeine Gesellschaftskritik. Etwa in der Art: "Der Kapitalismus, der alte Schlawiner, hat uns lange genug auf der Tasche gelegen." Dazu passend einige Zitate. Zum Beispiel aus Eisensteins Film über die - bekanntermaßen gescheiterte - russische Revolution von 1905. Die jungen Kammerspieler drehen die berühmte Treppen-Szene samt stürzendem Kinderwagen nach. Als Muster geplatzter Privat-Revolte muss wenig später Konstantin Wecker herhalten. Per Video spielt er charmant mit im Satire-Mix.

Das erste Solo aber gehört Stefan Merki. Als Fremdenführer präsentiert er die persönliche Bunkeranlage von Erich Honecker selig - Inbegriff dessen, in welchem Lügengespinst die sozialistische Revolution mündete. Doch dieses Palaver hat kaum Witz, höchstens unfreiwilligen, indem Merki den DDR-Bauern noch mit 'nem Pflug übers Feld ziehen lässt. Die notwendige Komik gewinnt der Abend mit Katharina Schuberts Tirade einer frustrierten Kartoffelkönigin, deren Protest konterrevolutionär endet im neu erwachten Machtanspruch des alten Adels. Richtig gescheit und überraschend ist die Parallele, die Oliver Mallison gehetzt zieht zwischen Tolstois "Krieg und Frieden" und dem Machtkampf Wladimir Putins mit Milliardär Michail Chodorkowski. Das ist von allerlei dialektischem Witz, wie er hier Bilder aus Bondartschuks Tolstoi-Verfilmung von 1966 und aktuelles Doku-Material direkt aus dem Kreml per Video vergleichend präsentiert. Alles nur falsche Siege. In Wahrheit lauter Niederlagen. Fazit:

 Sibirien ist überall.

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