Und Richling machte den "Ähdmund"

Bayerischer Kabarettpreis: - Gerade erst wurde er selbst groß gefeiert, jetzt stand Dieter Hildebrandt, soeben 80 Jahre alt geworden, schon wieder als Laudator auf der Bühne des Münchner Lustspielhauses. Mit lauter Stimme zu loben galt es einen nicht weniger Großen, der aber - als "silbergraue Eminenz" - zumeist im Hintergrund wirkte. Klaus-Peter Schreiner, viele Jahre "Hausautor" der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, erhielt den Bayerischen Kabarettpreis in der Kategorie "Ehrenpreis".

Hildebrandt nutzte am Montagabend die Gelegenheit, kurz, uneitel und unweinerlich an die gemeinsamen Zeiten zu erinnern, an die Fünfzigerjahre, als es (Sammy Drechsel sei Dank) darauf ankam, die richtigen Leute zu versammeln und daraus eine Truppe zu formen, die für Jahrzehnte prägend für das deutschsprachige Kabarett werden sollte. Kritisch und immer angriffslustig. Und der Geehrte lieferte selbst drei Beispiele dafür, dass sich gute Texte sehr lange halten.

Ebenfalls (schon) sehr lange halten, nämlich in der Gruppe der Granden der Satire, kann sich Mathias Richling, der in der von Ottfried Fischer im "Live aus dem Schlachthof"-Stil moderierten Gala den Hauptpreis erhielt. Auch er einst eine Entdeckung des legendären "Lach-&-Schieß"-Motors Drechsel und seit Jahren nicht nur im "Scheibenwischer" als Politparodist geliebt und gefürchtet. An diesem Abend machte der 54-Jährige seinem Publikum allzu gern - wen sonst - den "Ähdmund".

Bei so vielen Routiniers traf es sich gut, dass die beiden übrigen Preise an den kabarettistischen Nachwuchs gingen. Den Musikpreis erhielt Martina Schwarzmann ("Deafs a bissal mehra sei?"), die gleich eine Kostprobe ihrer "hinterkünftigen Liedermacherei" (Fischer) servierte. Es hätte ruhig mehr sein dürfen.

Claus von Wagner schließlich wurde als "Senkrechtstarter" des Jahres geehrt - und mit der Aufgabe betraut, den Saal in Stimmung zu bringen. So etwas schafft ein schnuffiger Sonnyboy wie er auch ganz ohne imaginären "Feind". So ändern sich die Zeiten.

Einen Mitschnitt der Gala zeigt das Bayerische Fernsehen unter dem Titel "Ottis Schlachthof spezial" am Freitag um 22.30 Uhr.

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