Wie Richter ein Mann aus Sachsen

- "Ich bin weit entfernt davon zu sagen: Ich bin ein junger Mensch, und alles, was gemacht worden ist, ist schlecht." So gibt sich Hansjörg Albrecht bescheiden. Vor zwei Jahren erhielt er auf Empfehlung von Peter Schreier die erste Einladung zur gemeinsamen Arbeit mit dem Münchener Bach-Chor. Damals rechnete er sich überhaupt keine Chancen auf den vakanten Chefposten des Münchner Traditionsensembles aus, denn dort hatte man sich bereits auf Ralf Otto geeinigt.

<P>Doch der Laienchor, seit dem Ausscheiden Hanns-Martin Schneidts 2001 ohne künstlerischen Leiter und einzig durch die engagierte Interimsarbeit von Philipp Amelung zusammengehalten, konnte für Otto in München keine adäquaten Rahmenbedingungen schaffen. Das Kantatenkonzert, das der 32-jährige Dresdner Albrecht am 18. Februar mit dem Chor in München aufführte, gab den Ausschlag dafür, dass die Chormitglieder am vergangenen Wochenende Albrecht zu ihrem neuen Dirigenten wählten.<BR><BR>Pläne hat er eine ganze Menge, wenn er im September sein Amt antritt: "Es ist nur die Frage, was ist umzusetzen. Ich möchte mit dem Chor wieder raus in die Internationalität und eine wesentliche Qualitätssteigerung erreichen. Mein Ansinnen wäre auch eine allumfassende musikalische Ausbildung und dass man in die Musik komplett eintaucht."<BR><BR>Albrecht: "Aber ich denke, beim Bach-Chor dürfte das möglich sein, weil es einfach andere Voraussetzungen sind als bei anderen Chören. Und mit dem Bach-Orchester kann ich mir sehr gut vorstellen, zweigleisig zu fahren. Zum einen, sofern möglich, mit historischen Instrumenten und zum anderen mit modernen Instrumenten in Verbindung mit den Mitgliedern der führenden Münchner Orchester sowie der Musikhochschule."<BR><BR>Unvermeidbar wird das Thema Verjüngung des Chores auch unter der Leitung von Hansjörg Albrecht sein, wobei er Wert auf eine breite Altersstruktur legt. Wichtig sind ihm in erster Linie gute Stimmen.<BR><BR>Was das Repertoire anbelangt, will sich Albrecht nicht verzetteln. "Ich denke, für den Bach-Chor könnte alles, was mit Rhythmus zu tun hat, sehr interessant sein, weil ich glaube, dass das Bereiche sind, die auch in den letzten Jahren etwas vernachlässigt wurden. Man könnte sagen: Bach und der Rhythmus des Lebens." Der junge Dirigent will das durchaus auch philosophisch gesehen wissen: "Für mich wäre es in erster Linie Bach und die klassische Moderne." Bisher hatte Albrecht im Chor immer nur Gaststatus. Dabei hat er viel beobachtet. Und das will er mit Beginn seiner Arbeit hier in Ruhe besprechen.<BR><BR>Den Namen Karl Richter und die Richter-Ära, die große Erwartungshaltung, die nun an ihn herangetragen wird, empfindet er in keiner Weise belastend: "Ich komme aus dem gleichen Landstrich wie Richter, ich habe inzwischen auch durch Bücher viel über die Parallelität zwischen mir und Richter erfahren, was die Herkunft aus (dem sächsischen) Freiberg anbelangt, die Orgel (beider Ausgangsinstrument) und den Dresdner Kreuzchor. Aber es sind komplett unterschiedliche Lebenswege, und in der großen Zeit von Karl Richter war ich noch nicht einmal geboren. Also ich hab' überhaupt keinen Druck."<BR>Vielmehr sieht Albrecht die Arbeit mit der Musik als permanenten Lernprozess für alle Beteiligten - so man sich drauf einlässt.<BR></P><P> </P>

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