Die richtige Lösung für jeden Platz

- "Hässliches Entlein" titelte "Die Welt" im Januar 2001. Als "brutalen Klotz" oder auch "Bunker" beschimpften andere den An- und Umbau der Schweizer Botschaft in Berlin. Das Architekturbüro Diener & Diener kann mit dieser Kritik nicht nur leben, es provoziert sie bewusst und ist stolz drauf. Ein Kabinett mit Zeitungsausschnitten verweist auf die Kontroversen, die die Bauwerke stets auslösen. Drei thematische Räume erklären dann im Architekturmuseum der Münchner Pinakothek der Moderne, wie das Basler und Berliner Büro auf seine aufrüttelnden Ideen kommt.

<P>Bestes Beispiel ist der Botschaftsbau aus dem Jahr 2000. In den Berliner Bau des Klassizismus nahe des Reichstagsgebäudes zog die Gesandtschaft 1920 ein. Rundum tobten sich bald die Nationalsozialisten aus: Anstelle des Nobelviertels sollte Albert Speers Kuppelbau der "Welthauptstadt Germania" entstehen. Nicht nur diese Pläne, sondern auch die Kriegsbomben plätteten das Gelände. Später lag als "Überlebender" die Botschaft im Niemandsland nahe der Mauer. Während die Planung des Berliner Regierungsviertels sämtliche Wunden der Geschichte mit einem architektonischen, harmonischen Neustart zudeckte, ging Diener & Diener den umgekehrten Weg: Ein glatter, karger Betonkubus neben der alten Villa konfrontiert kompromisslos.</P><P>"Von innen und außen bewegt": Der Titel der Ausstellung fasst das Konzept zusammen. Die Architektur will keine persönliche Geste oder Signatur sein, sondern sich aus dem Dialog mit dem Ort entwickeln. Das Credo: "Das Haus ist ein Teil des Ortes. Das setzt voraus, dass in der veränderten Form die unveränderte sichtbar bleibt." Die "Kontamination" wird bei den "Stadtansichten" im ersten Ausstellungsraum klar: Äußerst ästhetische Modelle aus Birnbaumholz, ergänzt von Lageplänen, zeigen die Einbettung der Projekte. Einfachste Geometrie, pure Masse und die Stellung im Stadtbild bestimmen sie.</P><P>Saal zwei, das "Archiv der Konzepte", stellt mit Atlanten auf den Tischen Arbeitsatmosphäre nach. 1976 stieg Roger Diener in das Büro seines Vaters ein, seit 1978 beteiligten sie sich an 72 Wettbewerben. Die Resonanz: 28 erste, 15 zweite, zwei dritte Plätze und fünf Ankäufe. Ansonsten fielen die Architekten meist in der ersten Runde raus: Statt Programme zu erfüllen, fragen sie sich nach der richtigen Lösung für den jeweiligen Platz. Für den Münchner Arnulfpark 2004 wurde ein Konzept vorgeschlagen, das wie ein Schachspiel eigenständige Gebäude vernetzt (2. Preis).</P><P>"Im Bau" sind die Arbeiten in Raum drei. Die Modelle zum Novartis Pharma Headquarter in Basel zeigen eine lichte Glasfassade und eine Stockwerke überragende Begrünung. Von der Galleria d'Arte Nazionale Moderna in Rom steht ein Stück der einladenden Treppe in Originalgröße da. Hier wird die akribische, durchdachte und extrem aufwändige Arbeitsweise des Büros klar - die nicht leicht konsumierbar ist, sondern den Passanten in aller Zurückhaltung fordert. </P><P>Bis 9. Januar, Katalog 14 Euro, Tel. 089/28 92 24 93.</P>

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