Der richtige Zeitpunkt

- Auf mindestens einen Paukenschlag darf sich das Publikum des Bayerischen Staatsschauspiels in der kommenden Saison gefasst machen: nämlich auf ein neues Stück von Franz Xaver Kroetz. Noch gibt es keinen Titel, auch keinen Premierentermin, "aber dass wir es machen werden, steht fest", so Intendant Dieter Dorn. Denn: "Kroetz hat uns einen äußerst provokanten Text geschickt, dem wir uns stellen wollen. Es ist der Versuch, an Schmerzstellen zu gelangen, die es in unserer Gesellschaft gibt, wie zum Beispiel die Altersstrukturen."

Demnächst, wenn Kroetz wieder einmal seinen Familienwohnsitz Teneriffa verlässt und nach München kommt, wird man über die Realisierung des Stücks sprechen - sowohl mit dem Autor als auch mit dem Regisseur Kroetz. Dorn: "Der Regisseur Kroetz war uns stets ein sehr wichtiger Partner, auch für Texte, die nicht von ihm sind. Immer auf der Insel zu sein, dafür ist er uns doch zu schade."Aber auch um Kroetz herum hat Dorn einiges für 2005/2006 zu bieten.

Hier die bereits festen Projekte:

 "Die Bakchen" von Euripides, Regie Dorn; u. a. mit Sibylle Canonica, Gisela Stein, Rolf Boysen, Thomas Holtzmann, Jens Harzer; 11. 10. "Geschichten aus dem Wiener Wald" von Ödön von Horváth, Koproduktion mit den Salzburger Festspielen, Regie Barbara Frey; u. a. mit Sunnyi Melles, Juliane Köhler, Lambert Hamel, Michael von Au, Thomas Loibl; 13. Oktober.  "Suburban Motel" von George F. Walker, Regie Jochen Schölch; 14. Oktober (Theater im Haus der Kunst).  "Maria Stuart" von Friedrich Schiller, Regie Amé´lie Niermeyer; mit Anna Schudt (Maria) und Juliane Köhler (Elisabeth); Januar 2006.  "Servus Kabul" von Jörg Graser, Uraufführung eines Textes, der sich mit dem Einbruch einer anderen Religion in die bayerische Gastronomie beschäftigt; Regie Jörg Hube; 1/ 2006 (Haus der Kunst).  "Das Ende vom Anfang" von Sean O'Casey, Regie Dorn; Februar 2006.  "Brand" von Henrik Ibsen, Regie Thomas Langhoff; März 2006.  Gerhard Polt und die Biermösl Blosn", April 2006.  "Baumeister Solness" von Ibsen, Regie Tina Lanik; 5/ 06.

Eine Gesamtbilanz der laufenden Spielzeit gibt es logischerweise noch nicht. Aber Ende Mai lag die Platzauslastung bei 83 Prozent. Als Renner des Repertoires hat sich "Die eine und die andere" von Botho Strauß erwiesen - mit einer Platzausnutzung von 99,76 Prozent bzw. 13 005 Besuchern. Und: 12 000 Abonnenten - das ist die stolzeste aller Erfolgszahlen.

Als Alternativspielstätten zum Residenztheater stehen dem Staatsschauspiel mit Marstall und Theater im Haus der Kunst nur geringe Platzkapazitäten zur Verfügung. Umso dringlicher Dorns Appell, alles dafür zu tun, dass das Cuvillié´stheater "als maßgeschneidertes zweites Haus auch wirklich 2008 wiedereröffnet werden kann", dass also die Spendenfreudigkeit nicht nachlassen möge.

Darüber hinaus sprach der Intendant noch die oft gescholtene Doppelung von Stücktiteln an den drei Münchner Sprechtheatern an (aktueller Fall: Vier Wochen nach der Resi-Premiere der "Bakchen" kommt das Stück an den Kammerspielen heraus): "Erstens finde ich, dass eine Großstadt das verträgt. Und zweitens sind wir prinzipiell der Meinung, dass man mit Stücklisten, wie es sie früher einmal gab, nicht zurande kommt. Ein Theater, das sich ernst nimmt, geht doch jahrelang um mit einem Projekt - bis es sich schließlich traut, es zu machen, weil man das Gefühl hat, jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen."

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