Landesinnenminister: Terrorverdächtiger in der Uckermark gefasst

Landesinnenminister: Terrorverdächtiger in der Uckermark gefasst

An den richtigen Knöpfen drehen

- Das "Danke Jimmy" vergammelt beziehungsreich auf den Plakatwänden, dafür schreit's daneben umso lauter "Bruckner freut sich schon auf Christian Thielemann". Mit solch markigen Slogans werfen sich Münchens Philharmoniker in die neue Spielzeit - und in eine neue Ära. Das Selbstbewusstsein des Orchesters scheint frisch erstarkt nach einer mehltauigen Liaison mit James Levine. Aufbruchstimmung am Gasteig: Kehren gar goldene Zeiten wie unter Celibidache selig zurück?

<P>Die Zahlen scheinen das zu stützen. Rund 1000 neue Abonnenten melden die Philharmoniker, von einem "Thielemann-Effekt" mag der neue Intendant Wouter Hoekstra indes - noch nicht - sprechen. Trotzdem kann er mit einer Reihe von Frohbotschaften aufwarten: Das ZDF zeichnet Thielemanns Antrittskonzert auf, denkt auch an künftige Koproduktionen, über CDs wird laut Hoekstra "konkret" verhandelt, außerdem träfen "sehr viele internationale Einladungen" im Büro an der Kellerstraße ein. Alles spricht also dafür, dass sich die Verbindung Thielemann Philharmoniker als Markenname etabliert.</P><P>Skepsis gegenüber konzertanter Oper</P><P>"Wir müssen einfach die Leute dazu bringen, dass sie sagen: Das sind meine Philharmoniker, da will dabei sein, auf die bin ich stolz." Und Intendant Hoekstra lässt durchblicken, dass Thielemanns Abdankung an der Deutschen Oper Berlin den Münchnern gerade recht kommt: Nun ist der Chef eben nur noch mit einem Ensemble verbandelt, was viel besser vermarktet werden könne.</P><P>Konkrete Konzertpläne lassen sich freilich Thielemann wie Hoekstra kaum entlocken. Der Generalmusikdirektor serviert in der Saison 2004/ 05 mit Bruckner, Brahms, Beethoven und Strauss seine Leib- und Magenkomponisten (neben Ausflügen zu Henze und Widmann), liebäugelt aber auch, was spätere Spielzeiten angeht, etwa mit Bachs Matthäuspassion. "Ich guck' mir hier erst einmal alles genau an", sagt Thielemann. "Ich lass' es langsam angehen. Über die Jahre hinweg habe ich mir zwar ein ganz schönes Repertoire angefressen, vieles habe ich aber noch nie ausprobiert. Das will ich tun - und zwar in einer kulturfreundlicheren Umgebung als Berlin."</P><P>Hoekstra, der vom Amsterdamer Concertgebouw-Orchestra an die Isar wechselte und hier Nachfolger von Bernd Gellermann wurde, ist ähnlich vorsichtig: "Wenn die Leute viel Geld für ihr Abonnement ausgeben, dann müssen wir ihnen zunächst einmal das bieten, was sie gerne hören wollen." Erst darauf aufbauend könne ein Orchester auch Extravagantes spielen. Über konzertante Oper, unter Levine fester Programmbestandteil, äußert sich Hoekstra skeptisch. "Thielemann ist ein wunderbarer Dirigent dafür. Aber solche Aufführungen sind teuer, da man erstklassige Sänger braucht. Außerdem gibt es hier ja genug Oper."</P><P>Angst, dass den Philharmonikern von der Stadt der Geldhahn zugedreht wird, hat Hoekstra nicht. Thielemann hat zwar im Vertrag eine Ausstiegsklausel für den Fall, dass Planstellen gekürzt werden, doch sein Intendant sieht "keine Anzeichen dafür, dass eine solche Situation eintritt". Er sei vielmehr davon überzeugt, "dass sich die Stadt auf Jahre hinter uns stellt". Anders sieht es mit den Sponsoren aus, die Hoekstra herzlich zum Engagement einlädt: "Wir wissen ja alle - das Geld geht fast immer in den Sport. Aber von den Millionen für die Allianz-Arena könnte man schon tolle Kultureinrichtungen unterhalten."</P><P>So ganz hält die Form der Philharmoniker mit ihrem Selbstbewusstsein nicht Schritt. Unter Levine ereignete sich zwar (wie kürzlich im "Parsifal") Singuläres, doch ist dem Orchester manch Repertoire-Ausweitung nicht gut bekommen - ebenso auch, dass Levine in der Stadt weniger als Chef, eher als ständiger Gastdirigent wahrgenommen wurde. "Wir haben hier ein erstklassiges Orchester", meint Hoekstra dazu. "Aber das Ensemble muss auch wieder von einem Chef geprägt werden und international auf Augenhöhe mit Top-Orchestern agieren. Es muss einfach wieder an den richtigen Knöpfen gedreht werden."</P><P>Einer davon ist Bruckner, da sind die Philharmoniker weltweit fast unangefochten. Thielemann wählte die fünfte Symphonie fürs Antrittskonzert am 29. Oktober - ein beziehungsreiches Programm: Mit dieser Symphonie wurde 1985 der Münchner Gasteig eingeweiht, diese Symphonie wurde 1935 von den Philharmonikern in ihrer Originalfassung uraufgeführt.</P><P>Dass Thielemanns heiß ersehntes Konzert erst Ende Oktober stattfindet, also fast einen Monat nach der offiziellen Saisoneröffnung, scheint weder Hoekstra noch den Dirigenten zu stören. Und warum greift der Generalmusikdirektor erst so spät in die Spielzeit ein? "Weil ich vorher Urlaub mache. Wie jedes Jahr. Es gibt für mich eben Zeiten, wo mich keiner hinterm Ofen hervorlockt."</P><P>Die Philharmoniker eröffnen die Saison am Mittwoch mit Dirigent Mikko Franck. Auf dem Programm stehen Bartóks zweites Violinkonzert (Solistin: Leila Josefowicz) und Tschaikowskys "Pathetique".</P>

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