Den richtigen Nerv treffen

- Anders Thomas Jensen wurde 1972 in Frederiksværk in Dänemark geboren. Seit 1996 gehört er zu den gefragtesten Drehbuchautoren der kleinen, aber ungemein produktiven Filmnation. Unter anderem schrieb er 1999 die Drehbücher für die "Dogma"-Filme "Mifune" und "The King Is Alive" (der Shakespeares "Lear" in die Wüste verpflanzt). Neben weiteren ernsten Filmen schrieb er auch leichte Komödien wie "In China essen sie Hunde". Dreimal führte er selbst Regie, zuletzt in "Adams Äpfel", eine Geschichte über einen Pfarrer, der sich um Ex-Häftlinge kümmert. Der Film startet am Donnerstag in unseren Kinos.

Sie haben mit gerade einmal 34 Jahren bereits eine Unmenge von Drehbüchern geschrieben: 35. So viele schaffen andere ihr ganzes Leben nicht. Schaut man genau hin, ist Ihr Name mit vielen Erfolgen verbunden, die das dänische Kino im vergangenen Jahrzehnt feiern konnte, unter anderem auch mit zwei der vier ersten Filme der "Dogma"-Bewegung. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Anders Thomas Jensen: Das wüsste ich auch gern. Es freut mich, dass ich offenbar einen Nerv treffe. Dass ich so viel schreibe, finde ich gar nicht. Wenn man sich jeden Tag an den Tisch setzt und ein paar Ideen aufschreibt, kann man schon drei, vier Drehbücher pro Jahr fertigstellen. Ich habe nur das Glück, dass viele meiner Drehbücher verfilmt werden und mir bisher die Ideen nicht ausgehen.

"Adams Äpfel" handelt von einem Pfarrer und einem Neonazi, auch von Fundamentalismus. Ist das ein politischer Kommentar auf Ihre Heimat?

Jensen: Eigentlich gar nicht. Ich wollte einfach gute Unterhaltung produzieren.

In letzter Zeit hört man aus Dänemark von Neonazis und Rechtspopulisten. Es gab den Karikaturenstreit. Und in Ihrem Film geht es um Toleranz.

Jensen: Man muss wirklich an den Karikaturenstreit denken. Und die Rechten in meiner Heimat sind ein schlimmes Phänomen. Aber ich wollte mit meinem Film nichts direkt Politisches aussagen. Mir geht es auch nicht etwa darum, mich über "Gutmenschen" und 68er lustig zu machen. "Adams Äpfel" hat aus meiner Sicht eine ganz humanistische Botschaft.

Wo möchten Sie hin als Autor und Filmemacher?

Jensen: Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht.

Machen Sie etwa Filme nur, um damit Geld zu verdienen?

Jensen: Geld ist eine schöne Sache. Aber ich will schon auch etwas bewirken. Aber ich denke darüber beim Schreiben nicht nach.

Sie haben insgesamt drei "Dogma"-Filme geschrieben, gleichzeitig mehrere Komödien, zum Teil nicht gerade Tiefsinniges wie "Dänische Delikatessen". Wo sehen Sie Ihre Position im dänischen Kino etwa im Verhältnis zu Lars von Trier?

Jensen: Mich interessieren ernste Stoffe und Humoristisches. Wir alle in Dänemark haben Lars von Trier viel zu verdanken. Ich denke, was unseren persönlichen Geschmack und die Art der Arbeit als Regisseure angeht, sind Lars und ich Antipoden.

Läge es da nicht nahe für Sie, eine Satire über "Dogma" zu drehen?

Jensen: Sie werden es nicht glauben, aber genau das haben wir gerade getan. Es ist eine Geschichte über einen Mann, der im Kino mit seiner Tochter einen Kunst-Film anguckt und dadurch so aggressiv wird, dass er ein Tier tötet. Und dann kommt er ins Gefängnis. Als er wieder draußen ist, will er sich am Regisseur rächen und verfolgt ihn.

Das Gespräch führte Rüdiger Suchsland

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