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Harte Schnitte: Im vergangenen Jahr feierte Thomas Gruber den 60. Geburtstag des Bayerischen Rundfunks, gestern kündigte der Intendant seinen Rückzug aus dem Amt an.

„Richtiger Zeitpunkt für Generationswechsel“:  Gruber gibt vorzeitig auf

München - Der Bayerische Rundfunk (BR) bekommt elf Monate früher als geplant einen neuen Chef. Intendant Thomas Gruber gab am Donnerstag bekannt, dass er früher als geplant aus dem Amt scheiden will.

Wie der Sender am Donnerstag mitteilte, hat Intendant Thomas Gruber (67) den Rundfunkrat schriftlich darüber informiert, dass er von seinem Recht auf vorzeitige Kündigung seines Vertrages Gebrauch machen wolle und sein Amt vorzeitig zum 31. Januar 2011 niederlege. Gruber ist bis zum 31. Dezember 2011 gewählt.

„Alles hat seine Zeit. Das gilt auch für Menschen und für ihre Aufgaben“, heißt es laut BR in dem Schreiben Grubers. „Nach 30 Jahren beim Bayerischen Rundfunk möchte ich die Verantwortung in jüngere Hände legen. Angesichts der großen Herausforderungen, die auf unser Haus in naher Zukunft zukommen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Generationswechsel.“

Als Grubers möglicher Nachfolger wird hinter vorgehaltener Hand seit längerer Zeit Regierungssprecher Ulrich Wilhelm gehandelt. Der 48-jährige Absolvent der Deutschen Journalistenschule begann seine Karriere im Staatsdienst im Jahr 1991 als Sprecher des damaligen bayerischen Innenministers und späteren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Nach ihrer Wahl zur Bundeskanzlerin im Jahr 2005 holte ihn Angela Merkel als Regierungssprecher im Rang eines Staatssekretärs nach Berlin. Der gebürtige Münchner ist der Sohn des früheren CSU-Landtagsabgeordneten Paul Wilhelm (1935–2008).

Der Rundfunkrat will nach eigenen Angaben schnell über die Nachfolge Grubers entscheiden. Vorschlagsberechtigt sind alle 47 Mitglieder des Gremiums. Die Vorschlagsfrist endet am 15. April. Laut Anforderungsprofil des Ältestenrats ist „eine Persönlichkeit mit hoher Affinität zum Sendegebiet“ gesucht, ein „profilierter Kopf“, der die journalistische Unabhängigkeit des Senders „nachdrücklich und glaubwürdig nach außen vertreten kann“. Die Kandidatin oder der Kandidat solle ferner „möglichst nicht älter als 55 Jahre“ sein. Bereits bei der nächsten Sitzung des Rundfunkrats am 6. Mai könnte der neue Intendant gewählt werden.

Eine hausinterne Lösung gilt als unwahrscheinlich. Der gestern für weitere zwei Jahre wiedergewählte Fernsehdirektor Gerhard Fuchs ist 61 Jahre alt, der ebenfalls im Amt bestätigte Fernsehchefredakteur Sigmund Gottlieb (58) hat Ambitionen auf den Chefposten stets verneint. Gruber hatte sich bei seiner Wahl vor knapp neun Jahren überraschend gegen Fuchs durchgesetzt, der als Wunschkandidat Stoibers galt.

Die Amtszeit des aus Eislingen/Fils (Baden-Württemberg) stammenden Medienmanagers war geprägt vom Sparzwang angesichts sinkender Etats. Gruber focht als Intendant des viertgrößten ARD-Senders, aber auch als ARD-Vorsitzender (2005 und 2006) gegen die Einflussnahme der Länder bei der Festlegung der Rundfunkgebühr, schreckte getreu dem Bild vom sparsamen Schwaben aber auch vor unpopulären Einschnitten im eigenen Haus nicht zurück. So wollte er das Münchner Rundfunkorchester abschaffen, nach massiven Protesten wurde der Klangkörper dann nur von 70 auf 50 Stellen verkleinert.

„Wir haben im Haus einen Erneuerungsprozess hinter uns, an dem aus eigenem Antrieb fast alle beteiligt waren“, sagte Gruber vor seinem 65. Geburtstag im Jahr 2008. Mit Blick auf die Amtszeit bis 2011 verwies er damals auf ein Privileg, das er den rund 3000 Mitarbeitern des BR voraus habe: „Ich bin der einzige hier, der mit 65 noch jahrelang weiterarbeiten kann.“

Jutta Steinhoff / Rudolf Ogiermann

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