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„Ich wollte einfach mal direkt vor Leuten stehen und alleine meine Geschichte erzählen“, sagt Rick Kavanian im Gespräch mit dem Münchner Merkur. Seit zehn Jahren ist der Komiker und Schauspieler mit Soloprogrammen unterwegs.

Im Merkur-Interview

Rick Kavanian: "Würde gern wieder mit Bully arbeiten"

München - "Ich bin kein Grieche": Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht Rick Kavanian über seine Paraderolle Dimitri, sein neues Programm und die Lust, wieder mit Bully Herbig zu arbeiten.

Rick Kavanian, das ist doch der Komiker mit der Brille neben Michael „Bully“ Herbig!? Nicht mehr. Von Bully hat er sich gelöst, und zu unserem Gespräch auf dem Freimanner BR-Gelände kommt der 44-jährige Münchner armenischer Abstammung auch ohne seine markante Brille. „Ich habe mir die Augen lasern lassen. Ich bin nicht mehr kurzsichtig“, sagt der Schauspieler und Synchronsprecher. „Also auf der Bühne habe ich die Brille schon noch. Aber ich brauche sie nicht mehr.“ Mit Fensterglas und dem neuem Soloprogramm „Offroad“ ist er momentan unterwegs.

Ihre Paradefigur Dimitri ist Grieche. Was sagt der denn zur Krise in seiner Heimat?

(Mit griechischem Akzent.) Ich bin kein Grieche. Tut mir leid. Ich bin Deutscher mit bayerischen Wurzeln. Ich trinke Bier weiß. Und ich habe die Schnauze gestrichen gefüllt. (Hochdeutsch.) Ich weiß nicht, wie es Dimi geht. Aber ich habe das Gefühl, und ewig grüßt das Murmeltier. Du vernimmst irgendwie dieselben Nachrichten immer wieder. Ich kann es nicht mehr hören.

Dann werden wir jetzt lieber nicht politisch, bleiben aber noch bei Dimitri: Gibt es für den ein Vorbild?

Vorbild ist ein Freund aus Athen, mit dem ich Basketball spielte und auch noch Politik studierte, zu dem ich aber keinen Kontakt mehr habe. Jedenfalls hatte ich 1994/95 mit Bully eine Radiosendung. Leute sollten live anrufen, haben aber nicht. Also habe ich meine Stimme verstellt, war plötzlich Dimitri aus Kaiserslautern, keine Ahnung wieso. Aber die Leute fanden’s lustig. So wurde daraus Dimitri in „Der Schuh des Manitu“.

Der eine „Hautrot“ werden will. Ist er bei Ihrem neuen Programm dabei?

(Mit Akzent.) Selbstverständlich, von dem kann ich nicht loslassen, wie vom Sachsen Jens Maul. Die sind wie alte Egos, auch in meinem richtigen Leben Teil von mir.

Rick Kavanian: "Ich bin viersprachig aufgewachsen"

Wie wird man ein Sprachtalent?

Ich bin viersprachig aufgewachsen. Die erste Sprache, die ich von meiner Großmutter gelernt habe, war Armenisch. Dann kam im Kindergarten, in der Schule Deutsch dazu. Meine Eltern, gebürtig aus Bukarest und inzwischen in New York lebend, haben sich untereinander immer auf Rumänisch verständigt. Und letztlich ist da Englisch, na ja, und Latein, ein klein bisschen Französisch, Spanisch...

Bairisch nicht zu vergessen!

Das Lustige ist, dass ich mich als Kind wahnsinnig bemüht habe, super Hochdeutsch zu reden. Da ich ja schon rein äußerlich mit dunklen Haaren und Augen anders aussah, wollte ich nicht noch mehr auffallen. Ich wollte gut klingen, so, dass man nicht den Ausländer hört, also ohne den Akzent meiner Eltern.

Sie sind in München geboren. Wo ist Ihre Heimat?

Wenn ich Freunde, Familie treffe, dann ist dort für mich Heimat. Ich bin nicht lokal gebunden. Natürlich ist München mein Geburtsort, aufgewachsen im Block von Bogenhausen. Hier habe ich die meiste Zeit meines Lebens verbracht. Ich bin gerne hier und komme nach einer Tour immer gerne wieder heim.

Ihre berufliche Heimat war lange bei Bully Herbig, Ihr Entdecker und Förderer. Warum sind Sie überhaupt solo unterwegs? Es lief mit ihm doch prima…

Die Zeit, die wir verbracht haben, war wirklich fantastisch. Wir haben seit der „Bullyparade“ in der Gruppe mit Christian Tramitz alles miteinander gemacht. Da bleibt die eine oder andere individuelle Idee auf der Strecke. Ich wollte einfach mal direkt vor Leuten ohne Kamera stehen und alleine meine Geschichte erzählen, und das am besten noch ohne jedes Kostüm, ohne Frauenhaare, ohne Stöckelschuhe. Und dann habe ich das 2005 zum ersten Mal probiert.

Rick Kavanian: "Ich kenne Bully seit 1987"

War es schwer, sich von Bully zu lösen?

Wenn man aus einem starken Umfeld kommt mit so einer schillernden Figur wie Bully, dann ist es ja normal, fast schon charmant, mit ihm in eine Schale geschmissen zu werden. Das fand ich überhaupt nicht störend. Allerdings, wenn man eine eigene Marke aufbauen möchte, dann hat sich das anfangs durchaus ein bisschen sperrig angefühlt. Nach fast zehn Jahren denke ich, dass ich ganz gut auf eigenen Beinen stehe. Jetzt hätte ich sogar große Lust, wieder mal was Gemeinsames mit meinen Freunden Bully und Christian zu machen.

Sie haben sich bei Radio Gong kennengelernt?

Sogar noch früher. Und ganz privat. Ich kenne Bully seit 1987. Und zwar haben wir uns erstmals getroffen im Fahrstuhl zu einer Münchner Diskothek, dem früheren „Wolkenkratzer“ an der Münchner Freiheit. Ich war 16, bin noch zur Schule gegangen. Bully ist zweieinhalb Jahre älter, der hat, glaube ich, damals gerade seine Fotografen-Ausbildung gemacht. Zu Radio Gong kamen wir erst 1990.

Wie genau?

Es war an einem Sonntag im Juli 1990, als Bully aus einem Schwabinger Tonstudio anrief, ob ich mal vorbeikommen wolle. Er nahm gerade Ansagetexte für Anrufbeantworter auf. Ich habe erst nur Bahnhof verstanden, fand’s aber dann beim Zuhören lustig. Bis Bully plötzlich sagte, jetzt solle ich mal in die Sprecherkabine und einen Sportmoderator nachmachen. Ich? Der damals ultraverschämt war. Mich vor Leute zu stellen, geschweige denn in ein Mikro zu sprechen, das war ein komplett rotes Tuch.

Und dann?

Habe ich es probiert, und nach ein paar Anweisungen war da auf einmal so viel Energie, Power und Spaß. Das hätte ich nie für möglich gehalten. Bully hat in diesem Moment einen Knopf bei mir gedrückt, ein Talent losgetreten, dass ich jetzt noch beim Erzählen Gänsehaut bekomme. Dafür bin ich ihm dankbar. Im Herbst 1990 hatten wir dann unsere erste Kolumne bei Radio Gong: „Frühstück mit Boris“.

Das Gespräch führte Marco Mach.

Das Programm „Offroad“

hat am 7. Oktober München-Premiere im Lustspielhaus, Telefon 089/ 34 49 74.

Der nächste Film, den Rick Kavanian mit synchronisiert hat, läuft am 15. Oktober an: In „Hotel Transsilvanien 2“ spricht er die Figur Dracula.

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