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Ridley Scott knüpft mit „Alien: Covenant“ an seinen Erfolgsfilm von 1979 an.

Interview zum Kinostart von „Alien: Covenant“

Ridley Scott zu neuem Film: „Sollen sich vor Angst in die Hose machen“

„Alien“, „Blade Runner“ und „Gladiator“ – Ridley Scott hat Filmklassiker geschaffen. Jetzt kommt der Weltraumthriller „Alien: Covenant“ in die Kinos und Scott verrät, warum es wieder blutig wird.

Berlin – Zum Interview in einem Berliner Hotel begrüßt uns der 79-jährige Brite, der aussieht wie ein älterer Bruder von Bryan Cranston, ganz unprätentiös mit schwarzer Fleece-Jacke. Ridley Scott wirkt energiegeladen wie ein junger Hupfer und pflegt eine drastische Ausdrucksweise: Dutzende Male entfährt ihm „fuck“.

Vor fast 40 Jahren haben Sie bei „Alien“ noch mit echten Figuren und Modellen gearbeitet. Vermissen Sie das Handwerk?

Ridley Scott: Nein, kein bisschen. Das war nervtötend. Für das Alien mussten wir damals einen armen Kerl in einen Plastikanzug stecken, in dem er sich kaum bewegen konnte. Das ist der wahre Grund, weshalb man das Biest im Film so selten sieht. Die Leute sagten: „Wie raffiniert! Das Monster wird fast nie gezeigt, dadurch wirkt es noch gruseliger.“ Aber das war gar kein kluger Schachzug – es geschah aus reiner Not.

Also macht die Computertechnik das Geschichtenerzählen leichter?

Ridley Scott: Nein, so ist es leider auch nicht. Schön wär’s, wenn ein Computer mal ein gutes Drehbuch ausspucken würde! Im Übrigen zeichne ich noch immer alle Entwürfe von Hand, bevor sie von Computerexperten verfeinert werden. Perfekte Vorbereitung ist das A und O beim Film – so halte ich das Budget stets niedrig. Ich finde es lächerlich, was für riesige Summen manche Kollegen verpulvern. Wenn jemand 250 Millionen Dollar für einen Film verbrät, dann hätte man ihn längst feuern müssen.

Was ist Ihre Lieblingsszene im neuen „Alien“?

Ridley Scott: Das erste Auftreten des Monsters. Ich liebe es, wenn es richtig blutig und schmutzig und grässlich wird. Und ich will, dass sich die Zuschauer hier vor Angst in die Hosen machen.

Andererseits gibt es auch schöngeistige Szenen, in denen Michael Fassbender etwa Flöte spielt.

Ridley Scott: Ja, diese Verknüpfung von Schönheit und Horror hat mich sehr gereizt. Einem der Produzenten hat das gar nicht gefallen; er meinte, das Kinopublikum würde dieses Flötengedudel bestimmt ablehnen. Ich entgegnete: Scheiß aufs Publikum! Das ist einfach verdammt schön! Dasselbe gilt auch für die fast fünfminütige Anfangsszene. Ich weiß, es ist höllisch gewagt, wenn ein Actionthriller damit beginnt, dass zwei Männer ewig über Kunst parlieren, Wagner am Flügel spielen und so weiter. Aber auch das war mir verflucht wichtig.

Der Film wirft die Frage auf, ob die Menschheit es verdient zu überleben.

Ridley Scott: Wenn ich mir die vergangenen Jahrhunderte ansehe, habe ich den Eindruck, dass wir Menschen nicht das Geringste aus unserer Geschichte gelernt haben. Ich bin jeden Tag wieder schockiert, wenn ich höre, was beispielsweise in Aleppo passiert – das ist doch reinstes Mittelalter! Und es ist sicher kein Zufall, dass bei den meisten Konflikten irgendwelche Religionen im Mittelpunkt stehen.

Warum zieht es Sie immer wieder ins All, um dort etwas über die menschliche Natur zu erzählen?

Ridley Scott: Die Weite des Weltraums lässt sich mit den besten Geschichten füllen. Ich selbst fühle mich angesichts der Erhabenheit des Alls stets schuldig. Das kann ich nicht abschütteln; es ist offenbar seit der Kindheit in meine DNA übergegangen. Das verdanke ich der verfluchten katholischen Erziehung: Ständig fühle ich mich wie ein schuldiger Sünder, ein verdammter Hurensohn. Dabei weiß ich nicht einmal, woran zum Teufel ich schuld sein soll!

Glauben Sie denn an Gott?

Ridley Scott: Ich bin Agnostiker. Ich denke schon, dass es da draußen irgendwo eine Macht gibt, die größer ist als wir. Aber ich glaube nicht, dass unser Schöpfer ein alter Mann mit weißem Bart ist.

Und glauben Sie daran, dass es im All noch andere Lebewesen gibt?

Ridley Scott: Ja, das denke ich schon seit 30 Jahren. Bislang dachte ich, außer mir sei nur noch Tom Cruise dieser Ansicht. Aber kürzlich haben Wissenschaftler herausgefunden, dass es allein in unserer Galaxie mindestens 200 Planeten gibt, auf denen höhere Lebensformen existieren könnten. Ich hoffe nur, dass die nicht eines Tages vor unserer Tür stehen. Denn wenn sie es schaffen, bis zur Erde zu fliegen, dann sind sie zweifellos viel intelligenter als wir. Und wenn wir Menschen dann auch noch so blöd sind, sie herauszufordern, dann können sie uns sicher ruckzuck auslöschen!


Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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