Rigorose Kontrolle

- Tradition und Wandel - Die Münchner Galerie Scheidwimmer aus der Barer Straße ist immer noch dabei: Auf der 50. Kunst-Messe in Halle A6 des Riemer Messegeländes hat sie ab 8. Oktober (bis 16.10.) ihren Stand für Gemälde; und auf der 1. Deutschen Kunst- und Antiquitätenmesse im Haus der Kunst, die am 22. November 1956 eröffnet wurde, war sie auch schon aktiv. Fast genauso lang ist das Antiquariat Wölfle dabei. Große Feste will die Kunst-Messe - seit 1998 heißt sie so - aber zum Jubiläum nicht ausrichten (im Katalog gibt es lediglich informative Aufsätze zum Thema Sammeln). Die Präsentation ist Feier genug, zumal man die Position als eine der führenden Messen Europas über die Jahrzehnte halten konnte.

115 Kunsthändler und Galeristen haben sich heuer angemeldet, darunter 20 Prozent aus dem Ausland und 20 Prozent Neue - etwa die Münchner Numisart, die Antike anbietet, oder die Wiener Rudolf Budja Galerie mit Pop Art. Das Spektrum an Kunst und Kunsthandwerk erstreckt sich wieder vom altägyptischen Skarabäus bis zur Ernst-Barlach-Bronze und von einer Nürnberger Silber-Schauplatte von 1690 bis zu Berliner Eisenschmuck (1830). Die Preise bewegen sich zwischen rund 100 und über eine Million Euro.

Seit ihrer Gründung unter Julius Gustav Böhler und Otto Bernheimer wurde das Angebot immer flexibler und globaler. Verließ man sich zunächst auf die Alten Meister, ist heutzutage auch die aktuelle Kunst gern gesehen; jetzt hat sich sogar die Fotokunst in die Kunsthandel-heiligen Hallen vorgearbeitet (Stefan Vogdt, Galerie der Moderne, München).

Entscheidend ist aber nach wie vor die rigorose Qualitätssichtung, erklärt Geschäftsführer, Messeleiter und Spezialist für Silber Peter Henrich. Kein Aussteller hat die Chance, nachdem Objekte abgelehnt wurden, irgendetwas nachzuliefern. Das bedeutet zwar manchmal Ärger, garantiert aber verlässliches Niveau - ganz abgesehen davon, dass Bundes- und Landeskriminalamt sowie das Art Loss Register (Herkunftsforschung mit einer gewaltigen Datenbank) Kontrolle ausüben.

Ungelöste Standortfrage

Zufrieden ist man mit den treuen Besuchern, die vor allem aus Bayern kommen, natürlich auch aus ganz Deutschland, aber ebenso aus Österreich, Oberitalien und der Schweiz. Unzufrieden sind viele Aussteller hingegen mit dem Standort Neue Messe; man würde einen Platz in der Stadt vorziehen. Das vollmundige Versprechen von Kunst-Minister Thomas Goppel, Raum im Haus der Kunst zu schaffen, konnte nicht eingehalten werden. Der Westflügel des Gebäudes ist so marode und renovierungsbedürftig, dass sich eine langfristige Planung für die Kunst-Messe nicht lohnt. Darüber hinaus wurden zwei Wunsch-Orte, Wiese bei der Pinakothek der Moderne und Theresienwiese (jeweils mit Zelt, was billiger käme), von den Zuständigen abgeblockt. Sorgen auch wegen der Fußballweltmeisterschaft: 2006 sind sämtliche Messe-Termine in der Schwebe.

8.-16.10., ab 11 Uhr, Eintritt: 12,50 Euro, Katalog: 10 Euro, Telefon 089/ 157 73 49, www.kunstmessemuenchen.de.

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