Mit Rilke auf der Bank

- Vielleicht ist der bronzene Karl-Valentin-Brunnen auf dem Viktualienmarkt das bekannteste Münchner Literatendenkmal. Die Manns, Ibsen, Rilke, Koeppen - München könnte sich als Schaffensstätte vieler bekannter Dichter rühmen. Doch wer bemerkt schon die Gedenktafeln an den Häuserwänden, die von Efeu überwucherten Büsten? Fragte sich Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) und hatte eine Idee: Sie alle an einem gebührenden Ort zu versammeln.

<P>Faltlhauser bildete einen Initiativkreis aus Vertretern von Stadt, Staat, Medien und Verlagen, um aus der tief schlafenden Parkanlage zwischen Landwirtschaftsministerium und Prinz-Carl-Palais einen lebendigen Dichtergarten zu machen. Trotz der 1962 hier geschaffenen Heine-"Grotte" (Skulptur von Toni Stadler) sowie eines 37 Jahre später zu Ehren des Schriftstellers, Diplomaten und Heine-Freundes Tjutschew errichteten Denkmals verirrt sich außer ein paar Wildkaninchen nur selten jemand in den "Finanzgarten" im Herzen Münchens, so genannt, da er seit 1918 dem vorübergehend im Prinz-Carl-Palais wohnenden bayerischen Finanzminister zur Verfügung stand.<BR><BR>Der Ort hinter dem hohen Gitter entlang der Galeriestraße soll sich in einen innovativ gestalteten Musenhain verwandeln, soll München als internationale Kulturstadt und literarisches Zentrum Deutschlands bestätigen und seine Besucher staunen lassen. Ein schöner Gedanke, der jedoch bisher noch auf äußerst unsicherem Sockel ruht, denn die Finanzierung des Gartens soll nicht aus staatlichen, sondern privaten Mitteln erfolgen.<BR><BR>Die Initiative sei "ein Angebot an die literarisch interessierten Kreise in München und Umgebung, ein Zeichen der Erinnerung für einzelne Literaten und Dichter zu setzen", so Faltlhauser. Doch spätestens 2008 müsse das erste Denkmal stehen - aus Anlass des 50. Todestages Lion Feuchtwangers. So offen die Finanzierung des Projektes auch ist, so begrenzt werden nämlich Namensliste wie Konfiguration der "Erinnerungszeichen" sein. Obschon die Idee einer "zeitgemäßen Form" noch unausgereift ist. Eine Brecht-Bank unterm Morgenstern-Segel? Keine "marmorne Schädelstätte" jedenfalls, wie einst Heinrich Heine Walhalla verspottete - der derzeitige Bewacher des künftigen Dichtergartens.<BR></P><P> </P>

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