Ring frei für die Liebe

- Rosarote Brille? Schmetterlinge im Bauch? Schwer ist es, Worte zu finden für dies seltsame Gefühl namens Liebe. An der Münchner Schauburg hat Regisseurin Dagmar Schmidt die Dichter und ihre Verwandten, die Sänger, danach befragt; und Antworten gefunden bei Matthias Claudius und Hubert von Goisern, bei Nicole und Macy Gray. Es wird nur einmal leise gewispert am Abend der "Attacken des Herzens", ansonsten gesungen und getanzt.

"Du musst ein Schwein sein" der Prinzen wird zum Song des eitlen Angebers mit den ewig gegelten Haaren, Zarah Leanders "Kann denn Liebe Sünde sein?" zum Revolutionshit des selbstbewussten Girlies. Bühnenbildner Peer Boysen sah darin vor allem das Spektakel, das die Liebe und ihre Beteiligten veranstalten. In die Schauburg hat er eine Arena gezimmert, in der Mitte rotweißes Absperrband. Ring frei für den Kampf der Geschlechter, der schon vor der Vorstellung beginnt: "Frauen nach links, Männer nach rechts" befiehlt Regieassistent Philipp Roos noch im Foyer.<BR><BR>Drei Frauen, drei Männer: Es sind Typen, die Regisseurin Schmidt antreten lässt, Menschen, wie man sie eben kennt und deshalb mag. Die lockige Lucie Muhr kann selbst im Sitzen Tatendrang und tiefst gefühlte Emotion kaum verbergen, Berit Menze bleibt stets verschämtes Mauerblümchen, glaubt den Jungs aber auch jedes "Komm gib mir deine Hand". Und Sabrina Khalil möchte wohl cool und reserviert wirken, kann aber vor Lust am Rhythmus (Musik: Jan Eschke, Jens Fischer-Rodrian) kaum stillhalten, ihre Stimme lässt schweben und zu Boden gehen, trägt und füllt den Raum.<BR><BR>Erich Rudolf, neben Armin Schlagwein und Florian Stadler der Dritte im Männerbunde, zeigt in der Choreographie sein Talent für das ganz andere: Wer hätte schon geglaubt, dass man Strawinskys "Sacre du Printemps" als Hahnenkampf unter eifersüchtelnden Halbwüchsigen inszenieren kann? Am Ende ist schließlich ein jedes "Wild Thing" mit einer Rose gefügig zu machen. Ein Klassiker altert eben nicht - wenn man ihn im Namen der Liebe gebraucht.

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