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Kirill Petrenko, künftiger Münchner GMD.

Der „Ring“ des ungleichen Paares

Bayreuth - Ein ungleiches Paar für den Grünen Hügel: Der neue "Ring des Nibelungen" steht im Fokus der Opernwelt - wegen der Verpflichtung von Frank Castorf und Kirill Petrenko.

Eines wird derzeit etwas ausgeblendet. Nicht unbedingt wegen der Verpflichtung des ewigen Berliner Volksbühnen-Chefs Frank Castorf (62) steht der neue Bayreuther „Ring des Nibelungen“ im Fokus der Opernwelt. Mindestens so spannend ist das, was im Graben zu erwarten ist. Dort steht Kirill Petrenko (41), dessen freundliches, zurückhaltendes Wesen so gar nichts zu tun hat mit seinem Wundermann-Status. Was für ein ungleiches Paar also.

Frank Castorf, Intendant der Berliner Volksbühne.

Petrenko, der künftige Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, hat eine ungewöhnliche „Ring“-Vorgeschichte. Zwölf Jahre ist es her, dass er als Chefdirigent in Meiningen das 16-Stunden-Opus so stemmte, wie es der Meister wollte: an vier aufeinanderfolgenden Tagen. Ein heute fast legendäres Unternehmen – nicht nur wegen der dichten Taktung.

Schon im vergangenen Sommer ward Petrenko immer wieder am Grünen Hügel gesichtet. Der Workaholic wollte es genau wissen: Wie ist die Akustik? Was geht interpretatorisch, was nicht? Mit Kollegen sprach er, setzte sich in Proben und Aufführungen in den heißen Graben, um Musiker und Dirigenten zu verfolgen. Das Gegenteil eines Stars, der sich in fotogenen Posen gefällt, ist dieser Mann. Der gebürtige Russe ist mehr: ein schier genialer Handwerker. Partitur-Übersicht und analytische Durchdringung kann er verbinden mit höchster Emotionalität. Musiker und Sänger fühlen sich bei ihm sicher – und zugleich befeuert. Petrenko ist (übrigens wie der so ganz anders gestrickte Christian Thielemann) der Beweis dafür, dass es nicht auf irgendwelche musikalische Konzepte inklusive wolkiger Ideen ankommt, sondern auf viel Entscheidenderes: wie das alles unter den konkreten Bedingungen realisiert werden kann. Für Bayreuth nicht die schlechteste Voraussetzung.

Markus Thiel

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