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Susu Gorths „mass confrontation“ schickt fette Raupen in die Parkgefilde (München 2013).

Ausstellung im Alten Botanischen Garten

Angriff der Killer-Raupen

München - 30 Jahre „RischArt_Projekte“: Jetzt ist die Schau "Es war einmal..." in Münchens Altem Botanischen Garten zu sehen

Es war einmal ein Münchner Konditor, der liebte nicht nur das süße Gebäck gar sehr, sondern auch die moderne Kunst. Darum rief er vor 30 Jahren die „RischArt_Projekte“ ins Leben. Und weil nicht nur der Alte Botanische Garten in München zweihundertjähriges Bestehen feiert, sondern Grimms Märchen ebenso alt werden, hat man beide Jubiläen für das aktuelle RischArt_Projekt kombiniert: Unter dem Titel „Es war einmal...“ widmet sich das kleine Kunst-Festival heuer dem Märchen.

Acht renommierte oder aufstrebende Künstler haben Werke zu diesem Thema im Park installiert, der sich so in einen herrlichen Zauberwald zwischen Ironie und Schrecken verwandelt. Dass man sich märchenhaft verirren kann, dafür sorgen Dutzende Wegweiser, die Claus Richter aufstellte: „Magische Grotte 300 Meter“, steht da drauf, „Vorsicht Niespulver“ oder auch „Hier täglich Geschenke ab 15.30 Uhr“. Sind das wirklich nur leere Versprechungen? Zu dieser Irreführung passt jedenfalls die Klanginstallation von Felix Burger, der glockenhelle Kinderstimmen von den Bäumen herabschallen lässt: „Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald...“, tönt der Chor aus Lautsprechern, die im Geäst verborgen sind. Vereinzelt mischen sich falsche Töne in den herzigen Wohlklang, bis der anschwellende Hex-Gesang in grausame Dissonanzen kippt.

Elke Härtels „Eloise“ ist ein Rotkäppchen, das kaltblütig den Wolf erwürgt (München 2013, Polymergips).

Aber das Schaurige und Abgründige gehört ja bekanntlich zum Märchen dazu. Das merkt der Besucher auch, wenn er sich weiter in den „Wald“ hinein verläuft: Da steht Elke Härtels Gipsfigur eines kleinen Mädchens, das mit bloßen Händen einen Wolf würgt, sodass der erkennbar in den letzten Zügen liegt. Und von diesem witzig-verstörenden Anti-Rotkäppchen geht’s gleich weiter zu Heike Kati Baraths Gewächshaus, in dem ein riesiger Hasenkopf an einer Kette aufgehängt ist. Nicht mit Steinen, sondern mit Blicken aus fiesen kleinen Leuchtaugen wirft dieses Monsterkarnickel im Glashaus. Animalisch und artifiziell zugleich erscheinen auch die riesigen gelben Plastik-Würste, die Susu Gorth auf dem Gras und in den Bäumen platziert hat. „Angriff der Killer-Raupen“ könnte diese Installation heißen, die zeigt, wie fließend der Übergang zwischen Märchen und Science-Fiction ist.

Nach so viel Schauer-Romantik wirkt dann Martin Pfeifles „Pavillon“ fast wohltuend abstrakt. Und doch hat es dieses Labyrinth aus knallbunten Plastiklamellen buchstäblich in sich: Wenn man sich da durch verschiedenfarbige, nach oben offene Kammern und Flure mitten auf der grünen Wiese tastet, erlebt man ein betörend neues, paradoxes Raumgefühl, eine Art Geborgenheit im Ephemeren. Hinterlistig-sanfte Irritationen erzeugen aber auch die „Tarnnetze“, die Gabriele Basch über Drahtgestelle geworfen hat – und die sich beim Näherkommen als herrlich zarte Scherenschnitte mit Märchenmotiven erweisen.

Handfester geht es beim Neptunbrunnen in der Mitte des Parks zu. Hier hat Matthias Hirtreiter Aladins Wunderlampe als kunstvolle Keramikarbeit aufgestellt, die auch noch Wasser ins Bassin speit. Aber, oh Schreck, dort mitten im Becken liegt ein Orientteppich, unter dem nackte Füße hervorschauen! Ist hier ein Märchenonkel mit seinem fliegenden Teppich abgestürzt? Der Titel der Installation „Wahre Männer lügen nicht“ könnte auch auf einen Mord im Milieu der Märchen-Mafia hindeuten. Ein klarer Fall für einen München-„Tatort“ nach dem Motto: Und wenn sie nicht gestorben sind, ermitteln sie noch heute...

Bis 21. Juli, täglich 10 bis 20 Uhr, Eintritt frei.

Von Alexander Altmann

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