Risse, Flecke, Tintenfraß

- Das Goethe- und Schiller-Archiv Weimar schlägt Alarm: Ohne massive Finanzspritze droht unzähligen wertvollen Handschriften der Zerfall. Auf der Suche nach Finanzpaten für die akut bedrohten Schriften - darunter Originale von Goethe und Schiller - hat sich Archivdirektor Jochen Golz jetzt mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit gewandt.

Etwa ein Zehntel aller Handschriften müsse restauriert werden, sagt Golz. "Von den rund fünf Millionen Blatt weisen 600 000 kleinere oder größere Schäden auf." Den in Jahrzehnten aufgestauten Restaurierungsbedarf beziffert er auf 72 Millionen Euro. Sein Budget für die Handschriften-Restaurierung in diesem Jahr: gerade mal 10 000 Euro. "Es droht ein schleichender und permanenter Zerfall", warnt der Literaturwissenschaftler.

An dem Briefwechsel der beiden Dichterfürsten Goethe und Schiller nagt der Zahn der Zeit: Risse, Flecke, Tintenfraß, Siegelausrisse und andere Löcher gefährden die wertvollen Dokumente. 1015 Briefe der Dichterfreunde sind aus den Jahren 1794 und 1805 überliefert. 995 davon lagern in Weimar, 60 sind nach Angaben der Klassik-Stiftung akut gefährdet.

Der 2004 gegründete Freundeskreis des ältesten deutschen Literaturarchivs sucht deshalb Paten für neun wichtige Handschriften-Konvolute und Einzelhandschriften. Allein für die Restaurierung des bedeutenden Goethe-Schiller-Briefwechsels seien an die 300 000 Euro erforderlich, schätzt der Vorsitzende des Freundeskreises des Archivs, Jürgen Seifert. Um Geld zu sammeln, wendet sich der Verein an Stiftungen und Kulturinteressierte - mit großem wie kleinem Geldbeutel, wie Seifert betont.

Das Archiv besitzt nach eigenen Angaben mehr als 100 Nachlässe von Dichtern, Komponisten, Wissenschaftlern und Künstlern des 18. und 19. Jahrhunderts. Zu den gefährdeten Handschriften gehören auch Autografen von Liszt und Wieland.

Internet: www.freundesgesellschaft-gsa.swkk.de; www.swkk.de

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