Ritt auf dem Schlachtross

- Es ist unter Umständen das berühmteste, sicherlich aber das Klavierkonzert, das mit den größten Klischees kämpfen muss. Und besonders heikel wird es, wenn sich der Pianist wirklich aufmacht, ein vermeintliches Schlachtross zuzureiten und mit brutalstmöglicher Offensive "Tschaikowsky eins" gegenübertritt. Nun ist dieses Opus natürlich weniger lyrische Säuselei, sondern eher in Musik gegossenener Machismo. Doch ein bisschen zivilisierter, ein wenig abgetönter, auch etwas sicherer in metrischer Stabilität und Trefferquote hätte es schon sein dürfen.

Ausgeflipptes Beethoven-Finale

Yefim Bronfman, zu Gast beim Symphonieorchester des BR im Herkulessaal, begann enorm gewichtig, seiner Umgebung immer einen Tick voraus. Der Usbeke spielte mit großem, rauem Ton und gab meist den Schwerstarbeiter. Profil und Poesie blieben dabei auf der Strecke. Auch ein Dialog mit dem Ensemble unterblieb weitgehend, was schon schade ist: Dirigent Mariss Jansons und sein Orchester hatten schließlich Einiges zu sagen. Zum Beispiel, wie genau man in diesem Werk nuancieren kann, wie man auch in tiefere Dimensionen vordringt und wie man kraftvolle Dramatik bringt, ohne gleich in Grobmotorik zu verfallen.

Wesentlich schlüssiger gelang der zweite Konzertteil, obwohl die BR-Symphoniker zu Beethovens siebter Symphonie in beängstigender Besetzung aufmarschiert waren. Was nicht automatisch zu einer Deutung mit Doppelrahmstufe führen muss, Jansons führte das eindrucksvoll vor. Sein Beethoven ruhte auf einem breiten, sehr differenzierten Streicherfundament, überzeugte durch große klangliche Substanz und Spannung, blieb aber stets durchhörbar für Binnensteigerungen und -verläufe.

Die Tempi wurden nie überreizt, Jansons ließ sich Zeit für die Feinarbeit, auch im Finale, das diesmal wirklich aus dem Geist eines überdrehten, fast ausgeflippten Musikantentums entwickelt wurde. Dementsprechende Ovationen, da hatte man schon - zu Unrecht - Luigi Dallapiccolas "Due pezzi" vom Konzertbeginn verdrängt. Eine zwölftönige Studie, die dem ausverkauften Haus wohl als Gegengewicht zu den Repertoire-Reißern untergejubelt werden sollte.

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