Ritter der Künstler-Runde - Melancholisch und komisch: Lars Brandts Roman-Debüt "Gold und Silber"

München - Viele liebliche Worte für einen einzigen glühenden Wunsch: Ginger, die begehrte Frau endlich zu besitzen. "Flachlegen", entfährt es dem Erzähler, sonst ein Freund gewählter Sprache, in einem lichten, unbewachten Moment. Wie so oft ist auch für den Ich-Erzähler Rudi die ewige Sehnsucht, die unerfüllte Liebe der Quell seiner schöpferischen Kräfte. Jedenfalls solange keine Gewissheit besteht, wie die Sache ausgeht.

Lars Brandt hat in seinem Romandebüt "Gold und Silber" das heimliche, gedankliche Minnelied dieses Rudi, eines Malers, in einer Art Tagebuch festgehalten. Vordergründig beschreibt es eine ungewisse Zeitspanne, die Rudi mit seinen Künstlerfreunden in einer mittelgroßen deutschen Stadt verlebt und verfeiert. Zwischen den Zeilen und den häufigen Absätzen aber besingt das Tagebuch den Zauber, den Ginger auf Rudi und - in seiner Wahrnehmung - auch auf die Gruppe ausübt. Und es betrauert Gingers verstörende, zermürbende Abwesenheit, die immer häufiger wird, länger anhält und schließlich den Großteil des Romans ausmacht.

Ginevra nennt der Unglückliche die Umworbene, was schon einen ersten Hinweis darauf liefert, wie sich dieser Ich-Erzähler empfindet: als Lancelot, Mitglied einer Künstler-Tafelrunde, Ritter von der unkonventionellen Gestalt, unabhängig von Kommerz und Moden, allein der Kunst und der Ehre verpflichtet. Die stille, unaufdringliche Verehrung, ihre Unterhaltung und eifersüchtige Bewachung inbegriffen. Abgesehen von dieser Konstellation und dem Selbstverständnis Rudis gibt es eigentlich keine Parallelen zum Genre des Ritterromans, das hier offensichtlich Pate stehen sollte. Es werden weder Kämpfe ausgetragen noch Abenteuer bestanden, nicht einmal Heldentaten parodiert. Deshalb befremden die sprachlichen Anspielungen auf die Artussage und die ritterliche Lebenswelt und fallen, zum Glück nur an wenigen Stellen, unmotiviert über das moderne Laissez-faire der Provinzkünstler her.

Auch die häufig erwähnte Kettenformation, in der die Gruppe nachts trunken in den Wald springt und die Ingmar Bergmans Ritterfilm "Das siebente Siegel" entlehnt ist, scheint eine eher bemühte Anspielung. Dabei brauchen die schlicht und sinnlich erzählten, selbstironischen Reflexionen des Malers Rudi diesen metaphorischen Überbau überhaupt nicht. Sie können ganz wunderbar für sich selbst stehen, weil sie so hübsch und einfallsreich formuliert sind.

"Eine einzige Frage kreiste sägend in meiner Hirnschale wie ein Steilwandfahrer, und wenn ich glaubte, schneller und betäubender geht es nicht mehr, doppelt so blubbernd und brüllend: Wann ist es endlich so weit, Ginger?" Zu diesem Zeitpunkt sind die vielversprechenden Nachmittage mit ihr, die in Pralinen ausgedrückte Ehrerbietung bei Besuchen in ihrem Atelier, ja sogar ihr von Rudi neurotisch begleiteter Rom-Aufenthalt längst Vergangenheit.

Aber Rudi malt und hofft, bis er nicht mehr malen kann und übergangsweise Zeitschriften zu Collagen zerrupft. Wohin das führt? Eigentlich nur zu der Erkenntnis, dass auch die schönste Hoffnung auf die eine oder andere Art einmal sterben muss. Ein kontemplatives und bei aller Melancholie doch sehr komisches Lesevergnügen.

Lars Brandt:

"Gold und Silber". Hanser Verlag, München, 303 Seiten; 19,90 Euro.

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