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Ritter Unkenstein und seine Tochter Kunigunde: Bele Turba (rechts) und Tanja Maria Froidl.

Ritter im Münchner Norden

Das Deutsche Theater eröffnet in Fröttmaning seine Nebenspielstätte mit Karl Valentins „Ritter Unkenstein".

Ja, so müssen sie wohl gewesen sein, die „oidn Rittersleut“: furchteinflößend und gefährlich, nur wenn es sein musste, ansonsten lieber der Muße und ihrem ganz normalen Grant zugetan. Hauptsache sie hatten ihre Ruh’ und ihr Bier und mussten nicht fürchten, dass sich der Feind über ihre Kanonenkugeln beschwerte, die sie in langen Friedenszeiten mal wieder nicht in Schuss gehalten hatten. Die Isartaler Rittersleut jedenfalls waren so, wovon Karl Valentins „Ritter Unkenstein“ ein anschauliches und saukomisches Zeugnis ablegt.

Für das Münchner ValentinKarlstadt Theater, das den „Unkenstein“ auch weiter im Repertoire hat, haben der Textdichter Karlheinz Hummel und der Komponist Christian von der Au das kleine Singspiel mit 15 neuen Songs zum abendfüllenden Musical aufgepeppt. Das ganze Rock-Pop-Swing-Brimborium hätte die charmante Posse zwar nicht nötig, stört sie aber auch nicht sehr und – macht sie Eventbühnen-fähig. Deshalb weihte das provisorisch in Fröttmaning stationierte Münchner Deutsche Theater jetzt auch sein kleines „Eventzelt“ als Nebenspielstätte damit ein.

Eine hübsche Idee, aber auch von Nachteil: Wie der Unkenstein im Isartal, so ist dieses Singspiel auf der Brettlbühne zuhause, und nicht in einem (immer noch) überdimensionierten Zelt, indem das Playback, das den Abend dominierte, besonders synthetisch klingt. Zirzensische, akrobatische Spektakel sind darin vielleicht besser aufgehoben.

Umso mehr Freude machen Bele Turba mit ihrer Karlstadt-Knollennase und Gerald Karrer mit dem Valentin-Zinken im Gesicht: Mit der fast perfekt nachgebildeten Physiognomie der beiden genialen Volksschauspieler und einem ähnlichen Charisma geben sie den rund-g’sunden Ritter Unkenstein und den dürren Recken Heinrich. Der, von der schwächlichen Schulter bis zur Birkenstocksohle mit weißem Feinripp imponierend, hält fest zu Unkensteins Tochter. Denn die hat von seinem schlimmsten Feind heimlich ein Kind bekommen, weshalb jener getötet werden muss. Zum Glück stellt sich ein anderer als eigentlicher Vater heraus, auch eine tugendhafte Ritterstochter kann sich ja mal irren.

Und so tollt und tiriliert die turbulente Komödie zwischen Heuballen und modernen Metallbierfässern einem veritablen Happy End entgegen. Am schönsten ist sie, wenn sie ganz und gar bei Valentin und Karlstadt und deren hinterkünftigem Humor ist. Dann spürt man: Ja so war’s, die oide Brettlbühne.

Von Christine Diller

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