Rituelles Kurzgebell

- Das Spannungsverhältnis von Mediengesellschaft und Politik steht im Mittelpunkt der Herbsttagung der Akademie für Sprache und Dichtung, die am Donnerstag in Darmstadt begonnen hat. Bis morgen beschäftigen sich deutschsprachige Schriftsteller, Übersetzer, Wissenschaftler und Journalisten aus dem In- und Ausland mit dem Thema "Verschwindet die politische Rede?". Zum Abschluss der Tagung wird Brigitte Kronauer (64) der Georg-Büchner-Preis verliehen (s. oben stehendes Gespräch).

Schau-Gespräch im TV

Der Freiburger Sprachwissenschaftler Uwe Pörksen plädierte zu Beginn der Tagung für eine Neubesinnung auf die politische Rede als realen Streit. "Politikverdrossenheit ist etwas, das unmittelbar daraus hervorgeht, dass das Klingenkreuzen in der Politik uninteressant geworden ist." Mit Blick auf den aktuellen Zustand der politischen Diskussionskultur kritisierte er: "Die Jüngeren haben den Eindruck, dass leeres Stroh gedroschen wird. Dass festgeklopfte Positionen wiederholt werden, ohne dass wirklich der Begründungszusammenhang deutlich wird." Der Funktionsverlust der politischen Rede hänge nicht zuletzt damit zusammen, dass Politik immer stärker aus dem Parlament in die Talk-Shows verlagert werde, so Uwe Pörksen.

"Politik als Schaugespräch hat ja eine ungeheure Konjunktur." In den Talkrunden würden jedoch keinerlei politische Lösungen erarbeitet. Vielmehr würden Meinungen häufig auf fernsehgerechtes "politisches Kurzgebell" reduziert und nur noch rituell wiederholt. Ob die Spielregeln der Medienöffentlichkeit die ernsthafte politische Rede bedrohen, wollen während der Tagung auch der Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit", Michael Naumann, der Verleger Arnulf Conradi und der TV-Produzent Friedrich Küppersbusch diskutieren.

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