Rivalität mit einem Gott

- Kiran Nagarkar (60), einer der wichtigsten Vertreter der indischen Gegenwartsliteratur, ist derzeit Gast in der Villa Waldberta in Feldafing. Heute Abend liest er aus "Krishnas Schatten", seinem sinnlichen und humorvollen Roman, der auf historische Ereignisse und die Legende des betrogenen Prinzen Bhoj Raj zurückgeht, der um die Liebe einer Frau sogar mit dem Gott Krishna rivalisiert.

<P>Die Geschichte Ihres Romans ist im 16.Jahrhundert angesiedelt . . .</P><P>Nagarkar: Er wird oft als historischer Roman angesehen. Aber ist "Krieg und Frieden" ein historischer Roman? Der Vergleich mag arrogant klingen, aber mein Buch enthält so vieles: Die Hauptfigur, der Prinz Bhoj Raj, ist in gewissem Sinn ein postmoderner Charakter: Er verbindet moderne und klassische Elemente. Ebenso ist die Sprache eine Verschmelzung von modernen und archaischen Ausdrücken. In mancher Hinsicht versuche ich, eine vergessene Welt wieder lebendig zu machen.</P><P>Sie haben allerdings auf Englisch geschrieben. In Indien ist die Verwendung der Kolonialsprache umstritten.</P><P>Nagarkar: Ich wurde dafür auch angegriffen. Das sind dumme Debatten. Es kommt doch darauf an, was ein Autor mit der Sprache macht, nicht, welche er verwendet. Ich hatte zuvor mehrere Bücher in Marathi geschrieben, diesmal schien mir Englisch geeigneter. Der Roman spielt in einer Zeit des Aufruhrs, der bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzung zwischen Sultanaten.</P><P>Gibt es hier Ähnlichkeiten zur indischen Gegenwart?</P><P>Nagarkar: Ich wäre ein schlechter Autor, würde ich nicht versuchen, aktuelle Fragen anzusprechen. Gewiss ist der spürbare Verlust sozialer Toleranz und der überall grassierende Fundamentalismus ein massives Problem.</P><P>Fünf Jahre nach seinem Erscheinen ist "Krishnas Schatten" in Indien ein Kultbuch.</P><P>Nagarkar: Ja, das freut mich sehr. Ich will natürlich viele Leser. Ich schreibe nicht nur für eine kleine Elite _ eine Versuchung, der man gerade in Indien mit seinen vielen Analphabeten schnell ausgesetzt ist _, sondern für ein globales Publikum. Das ist ja für mich besonders spannend: Wie Menschen aus anderen Ländern diesen Stoff wohl aufnehmen?</P><P>Kiran Nagarkar: "Krishnas Schatten". A1 Verlag, München. 704 Seiten, 28, 80 Euro. Der Autor liest heute Abend um 20 Uhr im Münchner Völkerkunde-Museum, Maximilianstraße 42. Karten nur an der Abendkasse.<BR><BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wettbewerb fürs Münchner Konzerthaus: Spektakeln sollen andere
Verhandlungen beendet: Das Bregenzer Architektenbüro Cukrowicz Nachbaur erhält wohl endgültig den Zuschlag für das Münchner Konzerthaus. Am kommenden Mittwoch debattiert …
Wettbewerb fürs Münchner Konzerthaus: Spektakeln sollen andere
Plattenfirma stoppt Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang
Nach dem Kollegah und Farid Bang einen Echo bekommen haben, stehen die beiden nun ohne Plattenfirma da. Das Musikunternehmen BMG stoppte die Zusammenarbeit mit den …
Plattenfirma stoppt Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang
 Der Bestseller
Tolle  Leihgaben - Im Bayerischen Nationalmuseum  ist erstmals eine umfassende  Schau zum Werk des  spätmittelalterlichen Münchner  Bildhauers Erasmus Grasser zu sehen
 Der Bestseller
Werden viele junge Erwachsene nun traurig sein? Die „Neon“ gibt‘s schon bald nicht mehr
Der Hamburger Verlag Gruner + Jahr stellt nach 15 Jahren sein Magazin „Neon“ ein. Das Heft erscheint am 18. Juni zum letzten Mal.
Werden viele junge Erwachsene nun traurig sein? Die „Neon“ gibt‘s schon bald nicht mehr

Kommentare