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„Liebe“ – davon ist sein neues Album geprä gt. Robbie Williams singt für seine Tochter, seinen Sohn, seine Frau, seinen verstorbenen Manager – und vergisst dabei nie die Selbstironie und die Feierlust, für die ihn seine Fans lieben.

Neues Album von Robbie Williams

Popstar-Papa weiß, wie’s geht

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Heute erscheint Robbie Williams neues Album „The heavy Entertainment Show“. Die Kritik.

Ein Lied für seinen zweijährigen Sohn! Wie süß! Wie niedlich! Hach!

Nein.

Wir sprechen von Robbie Williams. Einem der größten Entertainer unserer Zeit. Dessen Lächeln die Mädels zum Jauchzen bringt; dessen Name im Guinnessbuch der Rekorde auftaucht, weil für seine Konzerte an einem einzigen Tag 1,6 Millionen Tickets verkauft wurden; dessen Ausstieg aus der Boyband Take That in den Neunzigern dazu führte, dass Seelsorgehotlines für die von Trauer ob dieser schrecklichen Nachricht überwältigten Fans eingerichtet wurden.

Das ist die eine Seite. Daneben stehen Drogen-, Sex-, Partyexzesse. Ein großflächig tätowierter Körper, der zwischen durchtrainiert und aufgedunsen schwankt. Konzerte mit 135 000 Zuschauern, irre Auftritte eines egomanischen, größenwahnsinnigen, selbstverliebten, gleichzeitig immer wieder zutiefst an sich zweifelnden Mannes. Und mittlerweile zweifachen Vaters.

Der Massen-Entertainer

Seit der Geburt von Tochter Theodora Rose 2012 und Sohn Charlton Valentine 2014 ist sein zweites Swing-Album erschienen, war er auf Dauer-Tour. Auf eine CD in altem Stile warteten die Fans lange. Nun ist sie da. Heute erscheint das neue Album. Und schon der Name ist eine klare Ansage: „The heavy Entertainment Show“ soll an Williams’ Erfolge wie „Let me entertain you“ zu Beginn seiner raketenhaften Solokarriere anknüpfen. In einem Interview verriet er kürzlich, dass er mit der neuen Scheibe ganz bewusst massentaugliche Hits herausbringen wollte. „In den vergangenen Jahren habe ich versucht, experimentell und ,interessant‘ zu sein“ – das habe jetzt ein Ende. „Dann ist mir klar geworden, dass ich einfach universelle Songs für Millionen Menschen machen sollte. Mit großen Melodien und Texten, die die Leute in Pubs singen können.“

Wie beruhigend, es müssen keine weiteren Fan-Seelsorger bemüht werden, denn ja, es ist ihm gelungen.

Verstörend ehrlich, immer mit Augenzwinkern

Wie er klingt, der Popstar-Papa mit schwerer-Junge-Habitus? Nun, besagtes Lied für seinen eigenen Sohn hat er mit „Motherfucker“ überschrieben. Es steht sinnbildlich für die ganze Platte. Und für ihren Schöpfer.

Das kann nur ein Robbie Williams: Mit seiner charakteristischen Stimme beginnt er sanft und einfühlsam die Zeilen an seinen Stammhalter. Um dann unvermittelt rauszuhauen, wie kaputt die ganze Familie sei. Der Onkel Drogendealer, der Opa aus der Gosse, die Mutter verrückt – allesamt kranke „Motherfucker“, das Kind inklusive. Herrliche Übertreibung des Schlitzohrs Williams, der sich aus allem einen Spaß macht. Und trotzdem ein verstörend ehrliches Liebeslied für den eigenen Nachwuchs. Kein Heititeiti, hier erklingt die aufrichtige Sorge eines oft genug Abgestürzten um sein Kind. Er bete, „dass unsere Schwäche Dich stark macht“, singt er aus vollem Herzen. Und man sieht ihn schon auf der Bühne, alles in diesen Song legend, das Mikrofon in der rechten Hand, auf deren Fingern die Buchstaben „LOVE“ tätowiert sind.

Von dieser Liebe ist auch die Hymne an seine Tochter geprägt. Man darf gewiss sein: „Love my Life“ wird ein Radiohit à la „Millennium“. Auch hier macht er nicht auf altersweisen Cat-Stevens-Verschnitt. Da singt einer, der nicht versprechen kann, immer alles richtig zu machen. Erfrischend unverblümt entschuldigt er sich vorab, dass er sie nicht in jedem Kampf werde unterstützen können. Aber dafür bete (ja, er betet viel), ihr alles dafür mitzugeben, dass sie eines Tages sagen kann: „Ich liebe mein Leben.“

Von Partyhits bis melancholisch

Es ist eben diese Mischung aus „Hach!“ und Party, die keiner so zaubert wie Mr. Williams. Am 17. November erhält er den Bambi in der Kategorie „Musik International“, bereits sein zweites goldenes Reh. Dann wird er nach Berlin kommen, um das Album vorzustellen. Und danach „feiern wie ein Russe“. Es gibt Stimmen, die ihm wegen der Nummer „Party like a Russian“ Rassismus vorwerfen. Aber ganz ehrlich: Eine nettere musikalische Hommage an die trinktechnisch hartgesottenen Osteuropäer könnte es doch gar nicht geben – bester Rock-Pop, inklusive dem Thema aus Sergei Prokofjews Ballett „Romeo und Julia“. Berührend dagegen „David’s Song“ für seinen im Sommer verstorbenen Manager David Enthoven; oder das treibende „Mixed Signals“, für das beim nächsten Stadionkonzert die Handykameras gezückt werden. Zu „When you know“ und „Marry me“ sowieso. Ja, Papa Robbie weiß, wie’s geht.

Robbie Williams:

„The heavy Entertainment Show“

(Sony Music).

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