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Im Kampf für das Gute kann man schon mal in die Luft gehen: Robin Hood (Thomas Lettow) trifft auf den Sheriff von Nottingham (Gunther Eckes, re.).

Premierenkritik

„Robin Hood“ erobert das Residenztheater

München - Robert Gerloff inszenierte fürs Münchner Residenztheater „Robin Hood“ als Spektakel für die ganze Familie. Lesen Sie hier unsere Premierenkritik:

„Es regiert, wer von der Mehrheit gewählt worden ist. Und was kommt dabei heraus? Donald Trump!“, schimpft König John (Manfred Zapatka) auf die Demokratie. Die Erwachsenen lachen laut, während das eigentliche Publikum, Kinder ab sechs Jahren, nicht wirklich versteht, was das mit dem Titelhelden Robin Hood zu tun haben soll. Auch Anspielungen auf Bischöfe, die goldene Badewannen in ihrem Badezimmer haben, und Drohungen des Monarchen, das Internet, die Autobahnen, sogar Ronaldo und Messi zu kaufen, ernten bei den Kleinen allenfalls Stirnrunzeln.

Die Bäume laufen auf Stelzen

Die Botschaft an sich ist klar: Korruption und der Missbrauch von Macht müssen gemeinsam bekämpft werden. Aber das erzählt die uralte Geschichte vom Rächer der Enterbten, der in den Wäldern von Sherwood haust, die Reichen bestiehlt und die Beute den Armen schenkt, doch von ganz allein. Erst recht, wenn sie – abgesehen von den etwas verkrampften Versuchen, aktuelle Bezüge herzustellen – so liebevoll inszeniert wird wie das Kinderstück „Robin Hood“ im Münchner Residenztheater. Durch die klug eingesetzte und immer wieder raffiniert beleuchtete Drehbühne und mit herrlicher Livemusik untermalt wechselt der Schauplatz spielerisch zwischen der riesigen, bedrohlichen Burg des Königs und den Räuberlagern im Wald. Explodierende Feuer, der glitzernde Vollmond am Himmel, niedersausende Fallgitter und sogar ein echtes Pferd lassen zauberhafte Bilder entstehen, bei denen kleine Zuschauer begeistert mitfiebern. Raffiniertester Kniff von Bühnenbildner Maximilian Lindner, Kostümbildnerin Johanna Hlawica und Regisseur Robert Gerloff aber sind die Bäume, die – ausgestattet mit kunstvoll gestalteten Kostümen – auf Stelzen laufen: Reihen sie sich eben noch schützend um das Lagerfeuer von Robin Hoods Bande, versperren sie den Feinden im nächsten Moment mit Stöcken und den als Baumstämmen getarnten Stelzen den Weg und bieten dem flüchtenden Bruder Tuck (Alfred Kleinheinz) ein Versteck.

Am Ende singen alle „Jupidu“

Inmitten dieser buchstäblich lebendigen Kulisse tummeln sich Schauspieler, denen anzumerken ist, mit wie viel Spaß sie ihre Rollen verkörpern: Während Thomas Lettow als Robin Hood mit Inbrunst den tapferen Helden mimt, genießt Gunther Eckes die Rolle des bösen und intriganten Sheriffs mindestens genau so sehr. Am mitreißendsten aber ist der, der beide Seiten verkörpern darf: Thomas Gräßle, der sich als Guy de Gisbourne vom fiesen Assistenten des Sheriffs durch einen Zaubertrank von Maid Marian (Mathilde Bundschuh) und ihrer fülligen Amme (Arthur Klemt) in einen guten Kerl verwandelt. Er klettert vor lauter Spiellust sogar singend in den Zuschauerraum hinein. Wer bis dahin von den spannenden Kampfszenen und Intrigen noch nicht gefesselt wurde, ist spätestens ab diesem Moment voll dabei und grölt bei Gisbournes „Jupidu“ lauthals mit.

Genau dieses „Jupidu“-Lied singen und tanzen die Darsteller am Ende der Vorstellung nochmals als Zugabe gemeinsam mit dem Pferd, dessen angeblicher Name „Horse-t“ erneut einen Wortwitz hat, den nur die Erwachsenen verstehen. Egal, „Jupidu“ rufen und in den tosenden Beifall einsteigen, der das Residenztheater am Schluss zu Recht erfüllt, kann jeder – ganz unabhängig davon, wie alt er ist.

Melanie Brandl

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