Hier ist Robert Gustafsson in seiner Filmrolle zu sehen.

Robert Gustafsson

„Einem Greis verzeiht man alles“

München - Robert Gustafsson spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über seine Spreng-Vorlieben und seine Rolle als Hundertjähriger, der aus dem Fenster stieg.

Er gilt als witzigster Mann Schwedens: Robert Gustafsson, vielfach preisgekrönter Schauspieler und Comedian. Ab kommenden Donnerstag können sich auch die deutschen Kinozuschauer von seinen Talenten überzeugen: In der Verfilmung des Weltbestsellers „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ spielt er die Titelrolle. In Berlin sprachen wir mit dem Komiker, der in Wirklichkeit erst 49 Jahre alt ist.

Haben Sie Angst vor dem Älterwerden?

Nein. Ich finde die meisten Alten ziemlich cool. Sie haben wirklich was zu sagen, und man kann viel von ihnen lernen. Schon als Kind hatte ich immer das Gefühl, dass die richtig bedeutenden Leute wie etwa der Staatspräsident alt sein müssten. Und auch heute kann ich beispielsweise einen jungen Politiker einfach nicht ernst nehmen. Ich denke automatisch: „Bub, du hast doch keine Ahnung, wovon du redest!“

Wie wurden Sie zum Hundertjährigen?

Als mir Regisseur Felix Herngren vor drei Jahren die Rolle anbot, kannte ich den Roman überhaupt nicht. Ich las ihn und meinte zu Felix: „Du spinnst. Dieses Buch lässt sich nicht verfilmen – und schon gar nicht in zwei Stunden.“ Doch sein Drehbuch hat mich überzeugt. Ich fand es viel lustiger und pointierter als den Roman und dachte: „Das könnte ein verdammt guter Film werden.“ Da ahnte ich noch nicht, dass mir der härteste Dreh meines Lebens bevorstand.

Inwiefern?

Robert Gustafsson als 49-Jähriger in natura

Jeden Morgen musste ich bis zu fünf Stunden in der Maske verbringen. Das war eine schwere Prüfung für mich, weil ich ein extrem unruhiger Mensch bin. Und die Dreharbeiten in Thailand waren schlichtweg die Hölle: Das Zeug, was sie mir ins Gesicht gekleistert hatten, wog zweieinhalb Kilo. Meine Haut konnte darunter nicht atmen, und wegen der Hitze schwitzte ich wie eine Sau. Wenn die Maske abends aufgeschnitten wurde, spritzte eine richtige Schweißfontäne heraus.

Sie verkörpern die Titelfigur in einer Zeitspanne von fast 80 Jahren…

Ja, in acht verschiedenen Altersstufen. Das war eine schöne Herausforderung. In wochenlangen Improvisationen habe ich für jede Stufe eine bestimmte Körperhaltung, Gangart und Sprechweise entwickelt. Anschließend habe ich all das minutiös einstudiert und auf Video aufgenommen. Wenn ich am Set mal verwirrt war, konnte ich einfach das jeweilige Band zu Rate ziehen.

Welche Altersstufe hat Ihnen beim Spielen am meisten Spaß gemacht?

Der Hundertjährige, denn da hatte ich Narrenfreiheit. Einem kauzigen Greis verzeiht man ohne Weiteres, wenn er sich schon am Morgen betrinkt oder mit seinem Stock jemanden rüde beiseiteschubst. Das hat etwas sehr Befreiendes.

Und wie war es, in der Maske des Hundertjährigen in Thailand auf einem Elefanten zu reiten?

Haarig. Die Produzenten fanden es zu gefährlich, aber ich wollte das unbedingt machen. Also stand ich früh auf, fütterte die Elefantendame und verbrachte viel Zeit mit ihr, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Doch später, vor laufender Kamera, verschwand sie plötzlich mit mir in den Dschungel. Mehrere Hundert Kilo lassen sich eben nicht so leicht steuern...

Ihre Filmfigur liebt es, Dinge in die Luft zu jagen. Sie auch?

O ja! Ich fand es toll, dass wir bei den Dreharbeiten jede Menge Brücken sprengen durften. Vielleicht steckt das in uns Schweden, schließlich ist das Dynamit in unserem Land erfunden worden. Als ich jung war, habe ich viel in die Luft gejagt: Puppen, Briefkästen und so weiter. Ich zünde auch sehr gerne Sachen an.

Wirklich? Was haben Sie zuletzt abgefackelt?

Einen Stuhl. In meinem Sommerhaus. Kann ich Ihnen wärmstens empfehlen! (Lacht.) 

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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