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Brüskiert Festspiele und Kollegen: Roberto Alagna sagte sein Wagner-Debüt ab.

FESTIVAL-SKANDAL

Alagna-Absage: Bayreuther Festspiele denken an Klage

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Nach Roberto Alagnas Lohengrin-Absage sucht Bayreuth nicht nur einen neuen Tenor, sondern überlegt auch juristische Schritte. 

Bayreuth - Jetzt schnell einen Ersatz-Tenor suchen und dann die Akte Roberto Alagna schließen, damit wollen es die Bayreuther Festspiele nicht bewenden lassen. Nachdem am Grünen Hügel die Überraschung wegen seiner plötzlichen Absage der „Lohengrin“-Premiere überwunden ist, steigt nun die Wut: Auf jeden Fall, so sagte Chefin Katharina Wagner im Gespräch mit unserer Zeitung, werde man die Sache juristisch prüfen lassen, um eventuell Schadenersatz zu fordern.

Dass Sänger mit ihren Aufgaben kokettieren, ist nichts Neues. Auch Alagna, auf italienische und französische Schwergewichte geeicht, hatte im Vorfeld des Bayreuther Debüts betont, wie ungewohnt dieses Engagement für ihn sei. Dreieinhalb Wochen vor der „Lohengrin“-Premiere und drei Tage vor Probenbeginn hat der Franzose nun die Notbremse gezogen. Offen gibt Alagna zu, dass er die Partie noch nicht kann – das ist in der Deutlichkeit so ehrlich wie einmalig und zugleich eine unprofessionelle bis dreiste Brüskierung von Festspielen und Kollegen. In dieser Preisklasse ist Alagna damit nicht allein. Auch Anna Netrebko musste vor ihrem Elsa-Debüt im Dresdner „Lohengrin“ im Jahr 2016 zugeben, dass sie mit dem Text Schwierigkeiten habe. Daraufhin wurde ein fürs Publikum unsichtbarer Teleprompter installiert. Die Diva las die Partie während der Aufführung ab.

Logischer Ersatz wäre Piotr Beczala

Auf die Sänger selbst fällt eine solche Haltung zurück, aber auch auf die Opernhäuser, die nach immer spektakuläreren Besetzungen gieren. Alagna hätte der Schwanenritter-Partie durchaus neue Dimensionen hinzufügen können – wenn er die Aufgabe nur annähernd umrissen hätte. Doch ohnehin gilt der 55-Jährige als sehr eigenwillig. Als er 2006 nach seiner Radames-Arie an der Scala ausgebuht wurde, verließ er die Bühne und ward nicht mehr gesehen, da war die Aufführung erst 15 Minuten alt. Auch während der Münchner Proben zu „La Juive“ vor zwei Jahren habe er sich mit seiner Frau, der Sopranistin Aleksandra Kurzak, extrem bizarr benommen, so wird berichtet – was bis zu rassistischen Äußerungen gegangen sei.

Wer in Bayreuth den Lohengrin übernimmt, ist noch offen. Eine logische Wahl wäre Piotr Beczala, der damit unter Christian Thielemann in Dresden 2016 triumphiert hat. Allerdings zeigte er sich vor einiger Zeit im persönlichen Gespräch irritiert, weil er für Bayreuth nicht gefragt wurde – er hätte Zeit gehabt. Ob Dauer-Lohengrin Klaus Florian Vogt, heuer am Hügel für den Stolzing gebucht, sich eine zweite Rolle aufbürdet oder tauscht, ist mehr als fraglich. Denkbar wäre auch eine interne Lösung mit den dort aktiven Tenören Andreas Schager und Tomislav Mužek. Alagna ließ mitteilen, vielleicht könne er ja in den kommenden Jahren den Lohengrin übernehmen. Das freilich dürfte nicht nur Bayreuth als Witz einordnen.

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