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Dieser Baum hat ein Gesicht: Stelzenläufer bringen den Wald auf die Bühne des Residenztheaters.

Vor der Premiere von „Robin Hood“

Das Resi lässt die Bäume laufen

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München - Am Samstag feiert am Residenztheater die Familienproduktion „Robin Hood“ Premiere. Auf der Bühne stellen Stelzenläufer die Bäume im Sherwood Forest dar. Wir haben sie bei den Proben in München besucht.  

Die erhöhten Bänke sind schon sinnvoll. Sie säumen die Gänge hinter der Bühne des Residenztheaters. An diesem Samstag werden junge Frauen und Männer auf sie klettern, um sich bereit zu machen. Denn dann ist Premiere von „Robin Hood“, der Familienproduktion für Zuschauer ab sechs Jahren. Und es ist Zeit für Stelzenläufer.

Warmlaufen hinter der Bühne.

Was für eine zauberhafte Idee! Wer sie hatte, kann Regisseur Robert Gerloff nicht mehr sagen. Zusammen mit Ausstatter Maximilian Lindner und Kostümbildnerin Johanna Hlawica schuf er die ganz und gar gelungene Kulisse: eine Burg fährt auf die Bühne, der Mond geht auf – und plötzlich läuft er herein, der märchenhafte Wald. Die Bäume sind hier nicht etwa aus Pappmaché – es sind Menschen, die da aufmarschieren. Die Füße auf Stelzen geschnallt, mit langen Overalls in Holzoptik, Äste über Brust, Kopf, Armen. Herrlich schaut das aus – als wären Menschen in Bäume verwandelt worden.

Die Stelzen sind bis zu 1,50 Meter hoch

Tatsächlich ist es ein akrobatisches Kunststück, das die Stelzenläufer leisten. Claudia Ellert aus München beispielsweise. Seit 14 Jahren ist sie regelmäßig auf 1,50 Meter hohen Stelzen unterwegs. Gestürzt ist sie noch nie – „und so möchte ich es auch gern beibehalten“, betont sie lachend. Ellert ist längst Profi. Sind die Fußschnallen angelegt, fühlt sich das für sie an wie zwei verlängerte Beine. Die Balance zu halten – ein Kinderspiel. Aber auch, nicht über den Bühnenrand hinauszutreten? „Alles eine Frage der Übung“, winkt sie ab. Seit rund zwei Monaten proben sie mit den Schauspielkollegen: mit Thomas Lettow, der den Titelhelden spielt, mit Gunther Eckes, der den fiesen Sheriff von Nottingham gibt, mit Manfred Zapatka mit seiner so einprägsamen, so gern gehörten, so sehr zu einem Märchenkönig passenden Stimme.

Oberstes Gebot: Auf der Bühne darf nichts herumliegen

„Anfangs probiert man die Abläufe ohne die Kostümierung aus, um sich die Bühnengröße einzuprägen, um den Radius richtig einschätzen zu können“, erklärt Ellerts Kollegin Mariabeatrice Scilla-Krapf. Denn unter dem Blättergeflecht sehen die Stelzenläufer naturgemäß nicht besonders gut. Oberstes Gebot: Auf der Bühne darf nichts herumliegen, was nicht von der Regie vorgegeben ist; Flüssigkeiten sind verboten. Alles, was die Läufer zum Stolpern bringen kann, ist tabu. Dann geht auch nichts schief – selbst wenn sich Robin Hood cool an einen Baum lehnt, selbst, wenn die Äste wie im Sturm umherwirbeln: Ins Straucheln kommt hier niemand. „Wir wissen, dass das Gewicht des Schauspielers kommt, und dann klappt das. Alle Kostüme haben die passenden Längen, da besteht also auch keine Stolpergefahr. Und jeder nutzt seine eigenen Stelzen“, verrät Scilla-Krapf.

Sie selbst stolziert seit sechs Jahren immer mal wieder in anderen Höhen durch die Gegend. Mit kleinen Stelzen hat sie angefangen, sich nach und nach hochgearbeitet: 1,50 Meter schafft sie heute. Einmal ist sie gestürzt. Schulterzucken. „Alles halb so wild.“ Der Reiz? Sie lächelt. „Am Anfang denkst du, du kannst nur laufen, doch dann wirst du mit der Zeit immer sicherer“, erzählt die Münchnerin. „Wir können richtig tanzen. Na ja, kein Ballett – etwas behäbiger, aber wir rumpeln nicht nur herum.“ In „Robin Hood“ sind sie und ihre Kollegen nicht nur Wald, sondern auch ein tanzendes Turnierzelt – und verwandeln sich dann wie durch Zauberhand in Wachposten. Für das Gelingen der Premiere sind also keinerlei Hindernisse in Sicht – jedenfalls keine, über die dieses Team nicht locker hinwegstolzieren würde.

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